Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 352 (sequence 108)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2293057-2293061--09865-2303156- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
352 Der Streit um die Erbfolge usw. Drum setze man keinen Vorsteher ein über die Gemeinde, man habe denn vorher die Gemeinde befragt. Diese Befragung, diese eigene Entschließung gehört zu den Urrechten jedes Zibbur, ist das Hauptstück der uns von Mosche Rahbenu überkommenen,על דעת המקים יעל דעת הקהל gegebenen, ebenso demokratischen wie theokratischen Verfassung. Sogar einen Bezalel, von Gott erkoren, von Mosche gebilligt, will man nicht einsetzen, bis die Gemeinde zugestimmt hat. (Berachoth 55a.) Wäre es also selbst ein absoluter Din, von niemand bestritten, immer in seiner Geltung unangefochten, daß es im Rabbinat eine Erbfolge gibt, so würde es auch dann einen falschen Triumph bedeuten, wenn allein auf diesem Grunde die Einsetzung eines Erben in sein Amt erzwungen würde. Ein Dorf erobert, eine Schlacht gewonnen, aber ein Land verloren. Einem Din hat man zum Siege verholfen, aber der Thora eine Niederlage, einen Schaden zugefügt. Solcher Sieg kostet zu hohen Preis. Einen Rabbiner sollte solche Palme nicht locken. Wenn je die Mahnung Rabbis galt: ״tue nur, was dir zur Auszeichnung vor Gott und Menschen gereicht, und berechne immer den Gewinn einer Mizwah gegenüber ihrem Schaden (P. Ab. II1)“, so hat sie in dieser öffentlichsten und feinempfindlichsten Angelegenheit der Rabbinatsbesetzung ihre Bedeutung. Bist Du oder Dein Angehöriger oder Dein Freund an! Ausgang der Wahl persönlich interessiert, mißtraue Dir, setze Dir ein Messer an die Kehle, wenn Du ein בעל נפש, vornehm und zartfühlend bleiben willst.1) Laß Israel gewähren, vertraue Deinem Volke, es verdient mehr Vertrauen, als Dein beleidigtes Selbstgefühl Dich glauben läßt. Der Ehrgeiz des Rabbiners soll und darf darauf zielen, der fähigste, gelehrteste, frommste zu sein, nicht den größten *) Vgl. auch M. Ch. Luzzatto Mesillath Jesch. Cap. III Änfang: ״Untersuche deine Handlungen‘', das bedeutet: ״auch deine guten Handlungen mußt du dir ansehen, vielleicht birgt sich in ihnen irgend eine Nebenabsicht, die nicht lauter ist.“