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Jeschurun · 1928-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1928) · p. Seite 333

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 333 (sequence 89)
Language
German
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Parallelen zur Sagenkunde aus Talmud usw. 333 Aber trotz des verschiedenartigen Kolorits dieser Versuchung des Äntonius spricht der Vorgang und der Aufbau der Handlung dafür, daß hier eine Nachbildung des Midrasch des Mathia vorliegi. Diese Annahme ist umsomehr berechtigt, als Antonius in Aegypten lebte und Athanasius, dem seine Lebensbeschreibung trotz mancher Zweifel zugeschrieben wird, Bischof von Alexandrien war. Alexandria war bekanntlich Mittelpunkt eines regen jüdischen Geisteslebens und das immer mehr sich entwickelnde Christentum konnte trotz aller Gegnerschaft seine ursprüngliche Beziehung hierzu nicht verleugnen . Denn der Nährboden seines geistigen und kirchlichen Lebens blieb bei aller Selbständigkeit und eigener Prägung doch die Mutterreligion, von der es sich nur nach und nach immer mehr loslöste, um sich dann in Gegensatz zu ihr zu stellen. Es ist daher die Tatsache begreiflich, daß Midrasch und Talmud das geistige Leben des jungen Christentums entscheidend beeinflußt haben und daß uns die gleichen Bilder und Vorstellungen in der christlichen Welt der Heiligen und Märtyrer wenn auch oft in anderer Form begegnen. Alle diese Beiträge aus der Welt der Dichtung und Vor- Stellung legen dar, daß ein gemeinsames inneres Band doch alles Denken und Erleben der Völker miteinander verbindet. Wie alle Sprachen auf eine gemeinsame Urform zurückgehen, deren Worte und Zeichen heute noch erkennbar sind, entstammen auch viele Vorstellungen, die sich in der Kulturwelt der verschiedenen Völker finden, einer gemeinsamen Quelle. Es ist daher die Annahme nicht fernliegend, daß die jüdische Geisteswelt als eine der ältesten Kulturquellen der Menschheit für viele'Gedankenkreise und Sagenkomplexe diese Urform darstellt, und daß ihre schöpferischen Ideen und Erkenntnisse andere Kulturvölker in ihrem geistigen Werden beeinflußt haben, wie auch umgekehrt die Errungenschaften anderer Kulturen auf die Entwicklung und Entfaltung des jüdischen Geisteslebens bedeutsam eingewirkt haben. Denn in jeder Kultur eines Volkes findet sich Eigenes, das ursprüng-

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