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Jeschurun · 1928-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1928) · p. Seite 331

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 331 (sequence 87)
Language
German
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Parallelen zur Sagenkunde aus Talmud usw. 331 dieser wieder in die Wüste zurück und beschloß sein Leben in seiner Ensiedelei im Älter von 105 Jahren. In der Lebensbeschreibung des heil. Äntonius, die Äthanasius verfaßt hat, werden ausführlich die schweren seelischen Kämpfe geschildert, die Äntonius zu bestehen hatte und alle Versuchungen erzählt, die in allerlei Formen und Gestalten des Satan an ihn herantraten. Alle diese Verführungskünste und Prüfungen hat Äntonius bestanden, und seine Lebensführung wurde vorbildlich für die ascetische Lebensanschauung, für die Begründung des Mönchtums. So wird unter anderem in der Lebensbeschreibung die Versuchung des Äntonius geschildert: ״Da neidet ihn der böse Geist und kam einstmals für seine Tür in einer schönen Jungfrauen Gestalt und klopfet an und sprach: Heiliger Mann, tu mir auf und laß mich ein; wann ich bin verirrt im Walde. Und behalte mich diese Nacht, daß mich die wilden Tiere nicht zerreißen, Du würdest anders schuldig an mir“. Und es war naß und unrein Wetter und der heilige Mann tat auf seine Zell’ und ließ sie ein. Und machet ihr ein groß Feuer und trocknet ihr Gewand. Und sie ward gar reden viel weislichen Worten, also daß er sich baß wundert. Und verstand von Gott, daß die Jungfrau der Böse Feind war und sprach zu ihr: Leg dich schlafen und wies ihr eine Statt, dar sie liegen solle. Da sprach die Maget ״Nein ich förcht mich also sehre, daß ich nirgend liegen mag, dann bei Dir.“ Da nahm er ein groß Holz und störet damit das Feuer mächtig auf und die Kohlen. Und zog ab seine Kappe und leget sich auf den Herd in sein Feuer und und sprach zu der Maget ״Komm her, hier will ich schlafen und ruhen, dar leg dich zu mir“. Da begunt der Teufel gar schreien mit gräßlicher Stimm und sprach ״Äntonius du hast mich veiwunden.“ und fuhr also davon.“1) Beide Erzählungen schildern uns die Versuchung, die an den Menschen in mancherlei Gestalt herantritt, keine aber ist größer und gefährlicher als die der Wollust. In der Dar- Stellung des Midrasch tritt uns der nur der Forschung ergebene *) Der Heiligen Leben und Leiden Insel Verlag 1913 S. 271.

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