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Jeschurun · 1928-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1928) · p. Seite 329

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 329 (sequence 85)
Language
German
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Parallelen zur Sagenkunde aus Talmud usw. 329 deine Äugen wieder zu heilen. Aber jener sprach, laß mich, was geschehen ist, ist geschehen. Äls Raphael darauf wieder bei Gott erschien, sagte er: Herr der Welt, solches hat mir Mathia der Sohn Charaschs geantwortet. Aber Gott trug ihm auf, gehe und sage ihm, daß der böse Trieb keine Gewalt über ihn haben werde, und jener ließ sich nunmehr sofort heilen. Aus dieser Erzählung zogen die Weisen den Schluß: Der Trieb zum Bösen habe keine Gewalt über jenen, der auf ein Weib nicht schaue und gewiß nicht auf das Weib seines Nächsten.1) Dieser Midrasch zeigt die gleiche Anlage wie die Einleitung zum Buche Hiob; doch nicht durch Unglück und Leiden soll Mathia in Versuchung kommen, sondern durch Sinnenlust will ihn Satan verführen, weil eben vor dieser sich Mathia stets behütet hatte. שמימיו לא נשא עיניו לאשה• Denn niemals in seinem Leben hatte er seine Äugen zu einem Weibe erhoben. Der Midrasch hebt diesen Zug besonders hervor, weil er in der Leidenschaft der Wollust die stärkste Versuchung sieht, die an den Menschen herantritt. Und als an Mathia diese Sinneslust sich in ihrer verlockendsten Gestalt heranwagt, und er die Schwäche und Hinfälligkeit der menschlichen Natur fürchtet, der auch er erliegen könnte, greift er heroisch zu einem Mittel, das ihn der drohenden Gefahr entreißen soll, indem er sich blendet. So gewaltig fühlt sich Mathia in seinem seelischen Gleichgewicht aufs Tiefste erschüttert, daß er für sich fürchtet und alle Kraft des Willens zusammennimmt, um seine Reinheit zu bewahren. Wie Hiob im schwersten Unglück in seiner Gottestreue nicht wankend wird, bleibt auch Mathia in höchster Versuchung standhaft sich selber treu, und das stärkste Mittel l) Midrasch Tanchuma‘ Zusatz zum Abschnitt Chukath, der dem Midrasch Jelamdenu entnommen ist; siehe Tanchuma Ausgabe S. Buber zur Stelle. Midrasch der zehn Gebote s. Jellinek Beth hamidrasch I S. 79 mit einigen Äenderungen und Jalkut Schimoni zum Abschnitt 161 § ריחי.

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