Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 328 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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328 Parallelen zur Sagenkunde aus Talmud usw. ligen und Märtyrer vielfach in Anlehnung an jüdische Vorbilder gebildet hat. Der Midrasch erzählt: Mathia der Sohn Charaschs saß im Lehrhaus und beschäftigte sich mit der Thora, und der Glanz seines Angesichts war gleich der Sonne und seine Züge gleich denen der Engel, denn niemals in seinem Leben hatte er seine Äugen zu einem Weibe erhoben. Einst ging der Satan — als jener im Lehrhaus lernte — vorüber und ward neidisch auf ihn und sprach: Ist es denn möglich, daß ein Mensch wie dieser ohne Sünde sei. Daher sprach er zu Gott: Herr der Welt, was hältst Du von Mathia dem Sohn Charaschs, und Gott antwortete ihm, ,,er ist ein vollkommener Gerechter“. Da sprach der Satan, gib mir das Recht ihn zu prüfen, und Gott gab ihm zur Antwort: Du wirst nichts wider ihn vermögen. Dennoch aber sprach er zu ihm, gehe. Da nahm jener die Gestalt eines schönen Weibes an, wie ihresgleichen niemals auf der Welt ge wesen war seit den Tagen Naamas der Schwester von Tubal Kajin, durch welche selbst die Engel irre geworden waren, wie es heißt:1) ״Da sahen die Söhne des Göttlichen die Töchter des Menschen, daß sie schön waren und nahmen sich Weiber aus allen, die sie erwählten.“ In solcher Gestalt trat Satan vor Mathia, doch als dieser ihn sah, wandte er sein Gesicht rückwärts. Als sich jener nun zu seiner Linken stellte wandte dieser sein Angesicht zur Rechten. Als darauf Satan von jeder Seite sich ihm zuwandte, sprach Mathia zu sich, ich fürchte sehr, daß mich doch der böse Trieb überwinden und zur Sünde verleiten könnte; was tat dieser Gerechte, er rief seinen Schüler, der ihn bediente und sagte zu ihm, gehe und hole mir Feuer und Nägel, und als jener ihm dies brachte, stieß er sich diese in die Äugen. Als Satan dies sah, fiel er vor Schrecken rücklings. Da rief Gott den Engel Raphael und trug ihm auf, zu Mathia zu gehen und ihn zu heilen. Als Rafael vor ihn trat, fragte er ihn, wer bist du, und er antwortete, ich bin Raphael, Gott hat mich geschickt, *) Genesis Cap. 6 V. 2.