Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1928-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1928) · p. Seite 327

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 327 (sequence 83)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2293057-2293061--09840-2303131
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Parallelen zur Sagenkunde aus Talmud usw. 327 hebens von der Erde“ sich bei der Darstellung der Äntaeus Sage auf den älteren achäischen Vasen überhaupt nicht findet, auch bei den griechischen Kunstwerken nur selten auftritt, daß vielmehr erst die römischen Abbildungen dieses Hochheben des Äntaeus durch Herakles aufweisen. Daher will die wissenschaftliche Forschung annehmen, daß dieser Zug des Hochhebens erst durch die Kunst in die Sage hinein gekommen sei. *) Es spricht auch für die Annähme einer späteren Bearbeitung, daß die Unterstützung des Äntaeus durch seine Mutter — Ge — Erde, die eben in dieser Berührung mit dem Erdboden besteht, einer späteren Uebcrlieferung angehört. Aus allen diesen Gründen ist es durchaus wahrscheinlich, daß die Vorstellung von den magischen Kräften der Erde, die nur durch die Berührung mit dem Erdboden ausgelöst werden, talmudischen Ursprungs und von der hellenischen Sagenwelt für ihre Mythen übernommen worden ist und in der Äntaeus wie auch Älkyoneus Sage ihren Niederschlag gefunden hat. Aus der Wunderwelt der geheimnisvoll wirkenden äüßeren Kräfte führt uns der Midrasch in die nicht minder tief verborgene Innenwelt des mit sich selbst und seiner Leidenschaft ringenden Menschen. Diese seelischen Kämpfe zwischen Weltbejahung und Verneinung sind dem sinnenfrohen Hellenentum fremd; von einem freiwilligen Verzicht auf die Freuden dieser Welt oder jener strengen Selbstpeinigung weiß die # Antike nichts zu künden. Anders die entstehende Welt des Christentums, die in diesem Ringen zwischen frohem Lebensgenuß und dauernder Entsagung in veränderter Nachbildung des Judentums ihr Problem gefunden hat. Die Erzählungen des Talmud, die uns von inneren Kämpfen und seelischen Erschütterungen großer Meister Kunde geben, finden daher ihre Parallele nicht in der Welt der Antike, wohl aber in der Vorstellungsweit des Christentums, das seine Legenden der Hei- *) Gerhard‘ Äuserles. Vasenb. 2 S. 105, siehe Roscher a. a. O.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.