Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 325 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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Parallelen zur Sagenkunde aus Talmud usw. 325 Dieser charakteristische Zug von einer besonderen Wirkung und Kraft, die durch die stete Berührung mit dem Erdboden ausge^st wird, begegnet uns auch in der griechischen Mgthologie. Äntaeus, der Riese Libyens, war unbesiegbar, solange er die Erde berührte, und alle Wanderer, die er zum Zweikampf zwang, vermochten nichts wider ihn und wurden von ihm leicht überwunden; erst Herakles gelang es, ihn zu bezwingen, indem er ihn in die Höhe hob und in der Luft erdrückte, trotzdem Äntaeus von seiner Mutter Ge — der Erde — unterstützt wurde.1) Äehnlich geht die Sage von Älkgoneus, einem der gewaltigsten Giganten, der in dem großen Gigantenkampfe alle niederwarf, bis Herakles seinen Pfeil auf ihn anlegte und ihn durchbohrte. Doch als er zu Tode getroffen in die Tiefe stürzte und den Heimatboden wieder berührte, erhob er sich von neuer Lebenskraft erfüllt. Erst als Herakles auf den Rat Äthenes zur Erde hinabstieg und ihn über die Grenze des Heimatlandes hinauszerrte, hauchte er sein Leben aus.2) In der Äntaeus wie in der Älkgoneus Sage verleiht also der Erdboden durch seine Berührung die unbesiegbaren Kräfte des Lebens, bei Äntaeus die Erde allerorts, bei Älkgoneus nur der Heimatboden. Die Mutter Erde strahlt gewissermaßen den Lebensodem aus, der den Gefallenen wieder aufs Neue belebt und diejenigen stärkt, die mit ihr in enger Berührung verbunden bleiben. Diese Kraft versiegt aber sofort, wenn diese Verbindung gelöst und unterbrochen wird. Der Sinn der Sage ist natürlich, daß Äntaeus als Vertreter des Igbischen Barbarentums von Herakles dem Repräsentanten der hellenischen Kultur überwunden wird, daß dieses Barbarentum unbesiegbar ist, solange es sich in seiner Urkraft von fremdem Einfluß unberührt erhält, daß es aber dann dem Untergang verfällt, wenn es fremde ihm überlegene Kultur in sich auf nimmt. *) W. H. Roscher‘ Ausführliches Lexicon Bd. I S. 362/63. 2) W. H. Roscher‘ Äusführliches Lexicon Bd. I S. 251. 6