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Jeschurun · 1928-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1928) · p. Seite 320

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 320 (sequence 76)
Language
German
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320 Parallelen zur Sagenkunde aus Talmud usw. innerer Zusammenhang hier als feststehend angenommen werden kann. Das Verbrechen, das Tantalus begangen hat, kann keine Sühne finden; denn für alles kann er Verzeihung erlangen, mir nicht für die Beleidigung der Götter. Hier haben wir die typische hellenische Anschauung, daß allein die Hybris, der übermütige Frevel gegen die Götter seinen Untergang verschuldet, weil er an die persönliche Ehre dieser Götter gerührt hat. Und seine Strafe dauert ewig, unaufhörlich, wie er auch im Leben unaufhörlich Verbrechen begangen hat. Ein tieferes ethisches Motiv liegt aber dieser Erzählung nicht zugrunde, die Götter strafen aus selbstsüchtigen Gründen, da sie ihre Ehre verletzt, ihr Wissen und ihre Macht durch Tantalus angezweifelt sehen; nicht das verletzte Recht muß wiederhergestellt werden, sondern die den Göttern zugefügte Beleidigung muß gerächt werden. Die Art des Verbrechens, das Tantalus begangen hat und die Begründung seiner Strafe sind charakteristisch für die hellenische Auffassung dieser Hybris, aber die Strafe selbst scheint eine Nachbildung unserer talmudischen Erzählung zu sein, ohne ihren ethischen Grundgedanken zu erfassen. In der Erzählung des Talmud ist das ethisierende Moment wie immer der Kernpunkt der Darstellung, hier wird gezeigt, wie ein Ausgleich zwischen Diesseits und Jenseits sich vollzieht, wie auch die geringste gute Tat, mag sie auch von einem Frevler begangen sein, nicht unbelohnt bleibt. Das Wort des Talmud findet hier seine Bestätigung: אין הקב״ה מקפה שכר כל בריה וכד Gott enthält keinem Geschöpf seinen Lohn vor.*) Andererseits geht aber aus der Erzählung die Gewißheit hervor, daß auch das geringste Vergehen eines noch so verdienstvollen Menschen geahndet wird, und es ist bezeichnend für diese Anschauung von der Gnade Gottes, daß diese Strafe noch im ג) Talmud Baba Kama 38 b.

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