Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 319 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2292929-2293057-2293061--09832-2303123- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Parallelen zur Sagenkunde aus Talmud usw. 319 Das gleiche Bild des Büßers, der in der Welt der Sünde gelebt hat und nunmehr zu ewiger Strafe verdammt ist, kennt auch die Antike. Tantalus, der einstige Liebling der Götter, häuft in seinem Uebermut Frevel auf Frevel, und als er gar, um die Götter auf die Probe zu stellen, ihnen sein eigen Kind zum Mahle vorsetzt, wird er in die Unterwelt hinabgestoßen. Hier währt seine Qual ewig. Er steht inmitten eines Teiches, dessen Wasser sofort versiegt, wenn er davon trinken will, sodaß er vor Durst vergeht, obgleich er den erfrischenden Trunk vor Äugen sieht. Und um seine Qualen voll zu machen, hängen über seinem Haupte die köstlichsten Früchte an den Zweigen, die aber ein Windstoß sofort entführt, wenn er nach ihnen greifen will. So ist ihm beschieden, ewig Hunger und Durst zu leiden. ״Auch den Tantalos sah ich umhäuft von schrecklicher Drangsal Mitten im Teiche dastehen, der nahe das Kinn ihm bespülte, Lechzend strebt er vor Durst, und den Trunk nicht könnt’ er erreichen. Denn so oft sich bückte der Greis, nach dem Trünke verlangend, Schwand ihm das Wasser zurück und versiegte, daß um die Füße Schwarz der Boden erschien, denn es trocknete solchen ein Dämon. Ragende Bäum’ auch neigten ihm fruchtbare Äest’ um die Scheitel Voll der saftigen Birne, der süßen Feig’ und Granate, Auch voll grüner Oliven und rotgesprenkelter Äepfel, Aber sobald aufstrebte der Greis, mit den Händen sie haschend, Schwang ein stürmischer Wind sie empor zu den schattigen Wolken.*) Die Uebereinstimmung mit der talmudischen Erzählung über die Bestrafung des Frevlers ist so auffallend, daß ein ז) Homers Odgssee XI Gesang 582 ff. Uebersetzung nach J. H. Voss.