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Jeschurun · 1928-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1928) · p. Seite 318

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 318 (sequence 74)
Language
German
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318 Parallelen zur Sagenkunde aus Talmud usw. er die Kopf-Tefillin vor den Hand-Tefillin angelegt. Und welche gute Tat hat der Sohn des Zöllners von Maon aufzuweisen? Bei Gott, er hat in seinem ganzen Leben nichts Gutes getan; nur einmal wollte er den Ratsherren ein Gastmahl geben, diese aber konnten zum Mahle nicht kommen, da ordnete er an, daß man den verschämten Armen dieses Mahl darbieten solle. Nach einer anderen Meinung habe der Zöllnersohn auf der Straße einen Kuchen fallen lassen, ein Ärmer habe dies gesehen und ihn an sich genommen, ohne daß jener es dem Armen vorgeworfen hätte, um ihn nicht zu beschämen. Einige Tage später sah der Fromme wieder im Traume, wie sein Gefährte in Gärten, Parks und an Wasserquellen lustwandelte, den Sohn des Zöllners aber sah er, wie er am Ufer eines Flusses stand und mit seiner Zunge nach Wasser lechzte und gierig danach verlangte davon zu trinken, es aber dennoch, so sehr er sich auch darum bemühte, nicht erreichen konnte.1) Soweit die Erzählung des Talmud, der hier meisterhaft das Problem über Lohn und Strafe auf dieser Weit zu lösen sucht. Die Ehren und Würden des Alltags werden in nichts aufgelöst gegenüber den Qualen und Leiden des Jenseits und die Verkennung und Geringschätzung, die so mancher hienieden bis zur Neige auskostet, werden überreichlich aufgewogen durch die rechte Würdigung und Anerkennung seines Strebens und seiner Persönlichkeit in der Welt der absoluten Wahrhaftigkeit. Doch dem Gottgetreuen brennt das offenbare Unrecht dieser Welt auf der Seele, und erst als er durch den Traum belehrt den Ausgleich erkennt, ist sein Rechtsgefühl befriedigt und sein seelisches Gleichgewicht wieder hergestellt. *) j. Talmud Chagiga Äbsehn. II Halacha 2, j. Talmud Sanhedrin Äbsehn. VI Halacha 9 mit kleinen Varianten. Äd. Jellinek bringt im Bet hamidrasch V. 131 einen gleichen Midrasch mit einigen unwesentlichen Äenderungen אמרו רבותינו ד״ל שהיו שני תלמידי חכמים חסידים חברים כל ימיהם בתפלה ותלמוד תורה ובאכילה ובשתיה...

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