Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 311 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293057-2293061--09824-2303115- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Eine Leuchte der Bibelexegese usw. 311 Unglücksbrüdern Gemeinsames erlebt und er hatte die Gelegenheit, ihre Geistesgröße, ihre Ergebenheit, ihre Treue zu ihrem Gotte und zu ihrem Volke zu ihrer Tradition und zu ihren Hoffnungen in den drückendsten Stunden der Not und Verführung wahrzunehmen.1) Er wußte seine armen und verfolgten Brüder in den Stunden ihrer größten Erniedrigung und Schmach zu lieben und zu schätzen und sich eins mit ihnen zu fühlen. Er wurde ihr Fürsprecher und in seinem Herzen lebte wohl die Hoffnung, er würde die von ihm errechnete Stunde der Erlösung Israels miterleben. Er meinte בשנת זד אלפים ורצ״א 2.ליצירת העולם שאז יהיה יןץ דדמין ואחרית העולם ותשלום תשועת ישראל) Auch die Annahme Abarbanels ist aus den Erlebnissen seiner Zeit zu verstehen. Wie vielen anderen ist auch ihm das Geheimnis das ״Ende der Tage“ verschlossen geblieben. Doch am Grabe noch pflanzte er die Hoffnung auf. Diese Hoffnung schimmert durch unzählige Stellen seines gewaltigen Kommeniars. Zu Hos. 2, 16 schreibt Abarbanel u. a.: Dieser Vers ist eine Andeutung, daß das jüdische Volk einst die Länder der Galut verlassen wird, entweder freiwillig, da ihm Gott den Willen erneuern wird, Haus und Hof in den Ländern des Exils zu verlassen, den Weg zum heiligen Lande einzuschlagen, sich jenem immer zu nähern; oder dies wird infolge von Vertreibungen geschehen, die die Könige der Länder gegen es verordnen werden, sprechend: Auf, verlasset mein Volk! und so wird Israel aufbrechen mit dem Gesicht nach dem Osten gewendet . . . Hier spricht Abarbanel beinahe wie ein Prophet. *) Vgl. auch Hos. 2,16. 2) Komm, zu Hos. 3, 5. Äm Ende seiner Erklärungen zu Sach. I schreibt er: Die deutschen Juden besitzen eine Ueberlieferung, daß wenn der Sitz des Kaisertums (der zuerst in Rom, später in Byzanz, dann in Frankreich) in Deutschland sein wird, der Messias kommen wird . . .