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Jeschurun · 1928-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1928) · p. Seite 306

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 306 (sequence 62)
Language
German
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306 Eine Leuchte der Bibelexegese usw. diese übereinstimmen lassen mit dem Kere. Die zweite Mög״ lichkeit: Esra nahm an, daß in den heiligen Schriften Wörter vorhanden waren, die nicht aus irgend einem Grunde in dieser befremdenden Form niedergeschrieben waren, sondern deshalb, weil der, der sie gesprochen hat, nicht genau darauf geachtet hat, sei es infolge seiner mangelnden Kenntnis der hebräischen Sprache, sei es infolge mangelnder Kenntnis der Orthographie, dies geschah beim Propheten oder bei dem der ברוח הקודש gesprochen hat, es war כשגגה ד,יוצאה מלפני השליט* Deshalb mußte Esra die Wahrheit dieses Wortes in Uebereinstimmung mit der Erzählung erklären. Dies tat er mittels des Kere, den er am Rande notierte, da er Angst hatte, im Text der בדוה הקודש gesprochen wurde, irgend eine Äenderung der Schreibweise vorzunehmen. Dies hat er selbst getan, um das Wort zu er״ klären; ja, er schrieb es am Rande, um anzudeuten, daß dies seine Erklärung sei. Und es besteht gar kein Zweifel, daß er sie von den Propheten und von den Weisen der ihm vor״ angehenden Generation übernommen hat/‘ Es schließt dort mit dem Hinweis, daß die meisten Kere und Ketib^im Buche jeremia dieser Art waren, da Jeremia sie irrtümlicherweise so geschrieben habe.1) Die Kühnheit der hier erwähnten Ausführungen Äbarbanels erwecken die größte Verwunderung. Aus dieser seiner Einstellung auch zum Ursprung der Vo״ kalisation der Bibel2) erklärt sich wohl auch das Verhältnis *) Gegen diese Herabsetzung des Propheten Jeremia, hat der bekannte Exeget M. L. Malbin, in seiner Vorrede zum Buche Jeremia, sehr scharf Stellung genommen und zu beweisen versucht, wie auch dieser Prophet unsere Sprache meisterte. 2) Man vgl. dazu den Streit um dieses Problem, der seit Elia Levita, besonders aber seit S. D. Luzatto die Gemüter beherrscht und de facto noch keine wissenschaftliche Lösung gefunden hat. Gerade die glänzenden Ärbeiten Prof. Kahles auf diesem Gebiete, beweisen, daß die Wissenschaft in dieser Frage noch nicht ihr letztes Wort ge״ sprochen hat. Man kann sicherlich weiterer Ueberraschungen dies״ bezüglich gewärtig sein. Vokale müssen, gerade •wissenschaftlich ge״ sehen, gleichzeitig mit Niederschreibung des Textes vorhanden ge-

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