Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 298 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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298 Eine Leuchte der Bibelexegese usw. unsere Talmudweisen beschäftigte יש או אין מזל לישראל, ob und inwieweit des Juden Geschick von den Gestirnen des Himmels bestimmt wird oder nicht,1) macht Äbarbanel die Ansicht des Rabbi Chanina,2) die von Rabbi Jochanan, Rabbi Äkiba, Rabbi Nachmann u. a., bestritten wird, sich zu eigen. Bekanntlieh besagt ein halachischer Grundsatz, daß nach der Ansicht der Mehrheit zu entscheiden ist. Er müßte, schreibt er, demgemäß der Ansicht der Mehrheit folgen. Er weist aber darauf hin, daß dieser Satz seine Gültigkeit nur dort hat, wo es sich um eine halachische Frage handelt, und wo eine Handlung dabei resultiert. Sonst hat, meint er, der große Meister (Mosche ben Maimon) in seiner Vorrede zu Seder Zeraim entschieden, daß bei einer Kontroverse der Weisen in Sachen des Glaubens und der Ansichten, wobei keine Handlung vorliegt, es jedem freisteht, nach eigenem Ermessen zu entscheiden. Somit konnte er die Ansicht des Einzelnen gegenüber der der Vielen vorziehen. Die Halacha ist und bleibt für Äbarbanel die Norm und der Regulator unseres Lebens und verbindlich, aber in der Deutung des Schriftwortes soll überall der einfache Wortsinn und eine vernünftige Begründung der Gesetzesnormen nach Möglichkeit gesucht werden. Wollen wir die Art seiner Behandlung des halachischen Stoffes charakterisieren, so müssen wir von ihm 1J Zu Dt. 4, 15. In dieser wie in vielen anderen Stellen behandelt Äbarbanel das Problem der Ästrologie, das in allen Kreisen jüdischer Denker stets große Beachtung fand. Seine Einstellung ist eine absolut positive. Vgl. besonders seine Äusfüzrungen zu Ex. 23,20: הבה אבכי ״ שולח מלאךIch habe dir schon zweimal gesagt, daß unsere wahren Weisen und die Ästrologen festgesetzt haben, daß jedes Volk und jede Stadt einen besonderen Stern im Himmel hat, der nur für sein Volk oder seine Stadt Deutungen enthält. ״״•לא ישתתף בהוראה ההיא אומה או עיר אהרת In unserer Stelle bemüht er sich צדדי החיוב של ממשלת מערכת השמים nach sechs Richtungen hin zu beweisen: ״Nach der Empirik, der Logik, der Thora, den Propheten, den Hagiographen und den Ausführungen unserer Weisen.“ 2) Vgl. Sabbath 156a.