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Jeschurun · 1928-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1928) · p. Seite 294

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 294 (sequence 50)
Language
German
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294 Der Fall Waremme—Warschauer. c lieh. Groß, turmartig in Anlage und Ausmaß, ist er das eigentliehe Problem des Buches, Werkmeister und Hebel an der ganzen Maschinerie, Antichrist und Gegenspieler des berechtigkeitsprinzips und seines schonungslosen Apostels Etzel. Ist Waremme wirklich das alles? Ist nur Hassenswertes und Schattenhaftes vom Dichter auf ihn gehäuft, mit Absicht gehäuft? Ist und bleibt er der Dämon mit der Teufelsfratze, vielgestaltig, Hohn grinsend auf alles, was dem Menschen absolut, was ihm groß, anbetungswürdig erscheint? Ist sein geistiger Hochmut, sein höhnender Relativismus, seine schneidende Ironie immer echt? Ist er die Ausgeburt aus Dreck und Hohn, als die er sich ausgibt? Will etwa der Dichter Wassermann in Waremme den konsequenten Assimilanten zeigen und uns zurufen: Seht her, das ist das Erzeugnis eurer wahnwitzigen Ausschlußpolitik gegen das Judenvolk, die Zerrgestalt eures Kulturheuchlertums und eurer nationalen Selbstüber- Schätzung? Uns will bedünken, daß Waremme unter den Händen des Dichters eine Entwicklung nach oben durchgemacht hat. Zuerst: ein Entwurzelter, ein aus der Bahn Geworfener, tragischer Ässimilant des Westens, eine Zwielichtgestalt, die aus zwei Blutquellen, Asiens und Europens, getränkt, ewig schwankt zwischen der Rolle des Besiegers und Almosenempfängers zweier Kulturen. Sein Judentum abzustreifen macht ihm keine Hemmungen, Jude sein ist für ihn eine Schreckenskammer voller Düsterkeiten. Die Welt der Anderen, der Unbeschwerten, Erfolgsicheren, die christliche Gesellschaft voll apollinischer Schönheit lockt ihn an, er will den Weg als konsequenter Deutscher bedenklos wandeln, er will in dem ihn umgebenden Menschlichen restlos aufgehen, er verleugnet seinen Ursprung, transponiert ihn in eine geheimnisvolle adlige Sphäre, und so gelingt es ihm, kraft seiner unendlichen geistigen Ueberlegenheit und skrupellosen Vielseitigkeit in den exkiusivsien Kreisen Fuß zu fassen und diesen Bevorrechteten seinen Fuß auf den Nacken zu setzen. Jedoch endgültige Sieger in diesem Kampfe bleiben doch die Änderen; sie

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