Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 290 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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290 Der Fall Waremme—Warschauer. iertes.) Ist dieser Ideenfanatismus vielleicht — jüdisch? Ist Etzel Fleisch und Geist des Juden Wassermann? Dieses restlose Sicheinsetzen für eine einmal als gut und notwendig erkannte Idee, für ein durch tausend Listen zu Erringendes — ist es jüdisches Erbgut? (Es mag blutmäßig — unterbewußt in dem Dichter selbst oder in der von ihm geschaffenen Gestalt liegen; an einer Stelle spricht Wassermann sogar vermutungsweise davon, daß sein junger Held Etzel jüdisches Blut in den Ädern habe.) Ist es nicht der Zornesatem der Propheten, die düstere Glut eines Elija und all seiner Jünger und Nachfolger, die ihre Brust zerfleischen ob des Anblicks all der Ungerechtigkeit im Erdenlauf, und die ihre Blitze schleudern gegen Könige und gottvergessene Machthaber? Sind sie nicht die Ersten, die Lautesten, Schonungslosesten, deren Stimme die Weltengeschichte durchdröhnt bis auf den heutigen Tag gegen Gewalt und richterliche Herzensträgheit? War es nicht ihr heilig-glühend Herz, das der Menschheit zum ersten Male Gnade und tätiges Liebeserbarmen über das vom Gesetz Gebotene gekündet? Und waren es nicht unter ihnen fast immer die Jüngsten, Jünglinge und Jungmannen (Jesaja, Hosea, Jeremia), die als Träger und Stürmer und Führer im Kampf um die Gottesherrschaft auf Erden, im Kampf für die Verjüngung der Ideen, im Kampf um Recht und Sittlichkeit ihr Herz verbluteten? Ist nicht ähnlich auch Etzel, der siebzehnjährige Held, mehr alttestamentliches Sgmbol als wirkliche Gestalt in seiner Entflammtheit für die Entrechteten, in seinem Titanentrotz wider die Ordnung der Welt? Herzensrecht gegen Buchstabenrecht und Menschensatzungen, dies ist das Fanal dieses aufwühlenden Buches und seines visionär-geschauten Helden. Welchem Juden klänge dieser Kampfruf nach Revision des herrschenden Rechts nicht seit Urzeiten vertraut im Ohr? Es dürfte die Behauptung nicht allzukühn sein, daß hier beim Dichter Wassermann Blutmäßiges, urewig Traditionelles mitgesprochen hat. Doch es zwingen noch viel deutlichere Anzeichen uns dazu, zu diesem Roman als Juden Stellung zu nehmen;