Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 264 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293057-2293061--09777-2303068- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
264 Das Leid der Tiere. auch, die göttliche Einsetzung des Thoragebotes einmal zum Äusgangpunkt genommen, im Rahmen dieser göttlichen Gesetz״׳ gebung eine Abstufung verständlich erscheinen, in unserem Falle die Rücksicht auf ״das Leid der Tiere“ einem anderen Thoragebot weichen.1) * * * Demgemäß bietet es an sich keine so große Schwierig״׳ keit, daß des öfteren die Gesetzesbestimmungen über ״das Leid der Tiere“ vor anderen zurücktreten müssen.2) Umgekehrt ist die Aufhebung anderer Gesetzesbestimmungen zu- *) Von christlichen Theologen hat das Travers Herford in seinem Werke ״Das pharisäische Judentum“ scharf formuliert. Vgl. Sil5—138, wo an den Beispielen der Polemik Jesus gegen die Pharisäer im N. T. gezeigt wird, daß diese nur aus dem Umstand zu erklären ist, daß Jesus bei seinen Ängriffen auf die Gesetze, ob es sich um Heilen am Sabbath, um die Ehescheidung oder das ״Korban“ handelt, ״den Gegenstand eben nicht vom Standpunkt der Thora aus betrachtet“ (S. 125) ״Für den Pharisäer, der von der Thora als Grundprinzip ausging, bedeutete die Äusführung einer Reihe anscheinend ganz bedeutungsloser Handlungen den klar vorgeschriebenen Weg, die Religion in die Tat umzusetzen.“ (133) — Im Uebrigen wird gerade inbezug auf unseren Fall in den Evangelien angenommen, daß es ohne weiteres gestattet ist, das Tier am Sabbath heraufzuholen. ״Äber er sprach zu ihnen: wer ist unter euch, so er ein Schaf hat, das ihm am Sabbath in die Grube fällt, der es nicht ergreife und aufhebe“ (Matth. 12, 13, ähnlich Luc. 14, 5). Daß in der zugrunde liegenden Stelle Sabbath 128 b zwei Richtungen zu Worte kommen (Strack—Billerbeck Kommentar zum N. T. aus Talmud und Midrasch I S. 629), trifft nicht zu, wie aus dem Zusammenhang dort sich ergibt. Festgestellt sei nur a. a. O. bei Strack—Billerbeck der recht schwere Irrtum in der Uebersetzung des דד,א קא ג?:מל בלי ״ מהיכבדaber das bedeutet doch ein Vernichten von Gegenständen aus ihrem fertigen Zustand heraus (was als ein Einreißen סתד am Sabbath verboten ist)“! Die Herausgeber haben offenbar keine Vorstellung davon, daß es sich hier um den Begriff von מוקצה handelt. 2) Wir kennen eigentlich nur eine für unser Empfinden große Schwierigkeit. Bei חטאת מתה und ähnlichen Fällen ist es vorgeschrieben מכניסין אותה לכיפה man müsse das Tier sterben lassen, ohne daß man es direkt tötet. Doch diese Bestimmung beweist nicht, daß