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Jeschurun · 1928-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1928) · p. Seite 261

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 261 (sequence 17)
Language
German
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Das Leid der Tiere. 261 unserer Stelle wird nun gesagt: nicht nur im Erlaßjahre sondern jederzeit sollen die Tiere von dem Ertrage genießen, wenn sie an der Arbeit mithelfen.“ * * * Es ist charakteristisch, daß in unserer ganzen Literatur sich schwer eine Stelle auftreiben läßt, in der die eigentliche Tierquälerei verboten wird, Tierquälerei aus Freude am Schmerz des Tieres oder auch nur aus Gedankenlosigkeit, weil das Tier nicht den Schmerz empfinde oder aus einer Gleichgültigkeit heraus, wie sie etwa der niedere Spanier in die Worte kleidet, das Tier sei ja kein gläubiger katholischer Christ. Alle derartige Vorstellungen und Empfindungen scheinen so völlig ausgeschlossen, daß eine Tier quälerei an sich unfaßbar war und daher nicht verboten zu werden brauchte. Im Talmud1) nimmt die Diskussion über die Frage einen weiten Raum ein, ob צעד בעל חיים דאורייתא אי דרבנן wörtlieh: ob der Schmerz der Tiere durch die Thora verboten oder nur seitens der Rabbinen. (Die Halacka entscheidet, daß er als Verbot der Thora gilt.) An der Hauptstelle handelt es sich aber nicht um Tier quälerei, sondern um die Frage, ob man dem Leid der Tiere stillschweigend Zusehen dürfe. Von Bedeutung ist, daß diese ganze Frage in das Bibelwort erst hineingetragen wird. An den Thorastellen ist die Rede von einer Verpflichtung dem Mitmenschen gegenüber. Man soll ihm in einer schwierigen Lage beispringen. Ex. 23, 5: ,,Wenn du siehst, wie der Esel deines Hassers unter seiner Last erliegt, so hüte dich, es ihm allein zu überlassen; hilf ihm, sie herabzulassen‘4. Und Dt. 22, 4: ״Du darfst es nicht mit ansehen, wie der Esel oder der Ochse deines Bruders am Wege liegt und dich von ihnen wegwenden, sondern sollst sie ihm auf richten helfen.“ Man sieht: an der einen Stelle ist hier geboten, die Triebe des Hasses und der Rache, die sich regen könnten, zu unterdrücken. Der Midrasch2) malt das noch weiter *) Baba m. 52 a f. 2) Tanchuma Mischpatim Kap. 1.

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