Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 260 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293057-2293061--09773-2303064- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
260 Das Leid der Tiere. betrachten. Gegenüber der paulinischen ״Gesinnungsreligion“ und ihrem Äntinomismus wird hier die Tendenz nach der anderen Seite hin überspannt. Daß es sich hier um religionsgeschichtliche Auseinandersetzungen handelt, ersieht man auch aus den folgenden Worten der Mischnah, wer zweimal מודים sagt, den bringt man zum Schweigen, offensichtlich, wie schon des öfteren hervorgehoben ist, ein Protest gegen den Dualismus des Gnosticismus, der zwei Gottheiten statuiert, an die jene Verdoppelung der Dankesformel erinnern könnte. Den Schutz der Tiere gegen Ueberanstrengung hat auch wohl das Verbot im Äuge: ״Du sollst nicht Ochs und Esel zusammen zum Pflügen nehmen“ (Dt. 22, 10). Das schwache Tier kann mit dem starken nicht zusammen die gleiche Arbeit leisten. So nach Erklärung des Ibn Esra. Nach anderen freilich ist es verboten, damit es nicht zur Begattung und zur Vermischung zweier verschiedener Tierarten kommt. Dafür spricht die Stellung dieses Gebotes zwischen כלאי כרם und כלאי בגדים* Zweifellos aber ist die Verhütung des Schmerzes beabsichtigt bei dem Verbot ״du sollst einem Ochsen beim Dreschen nicht das Maul verbinden.“ (Dt. 25 4.) Keinem einzigen jüdisehen Erklärer ist es eingefallen, hier mit dem Apostel Paulus (I Kor. 9) zu fragen: ״Kümmert sich Gott etwa um die Ochsen?“ Äbarbanel führt hier aus, um die eigenartige Zusammen- Stellung dieses Verbots mit dem vorhergehenden, das von der Geißelung handelt, zu erklären: Nachdem die Schrift uns ermahnt, Mitleid mit dem Sünder zu haben, wenn er gegeißelt wird (״vierzig Schläge soll er ihm geben lassen, nicht mehr, damit nicht dein Bruder, wenn er ihm viel mehr Schläge als diese geben läßt, in deinen Äugen verächtlich werde“) folgt die Mahnung, mit dem Tiere Erbarmen zu haben.“ Und er fügt die feine Bemerkung hinzu: ״Dies Gebot ist bereits im 2. Buche Moses angedeutet, wo es beim Schmittajahre heißt: ״im siebenten Jahre aber liege es brach und verlassen da, und es sollen die Dürftigen in deinem Volke davon essen und den Rest mag das Vieh des Feldes essen“ (Ex. 22, 11). An