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Jeschurun · 1928-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1928) · p. Seite 257

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 257 (sequence 13)
Language
German
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Das Leid der Tiere. 257 einen Konflikt der Pflichten handelt und das Interesse des Tieres vor einem höheren Interesse zurücktreten müsse. Daß aber hier abgewogen werden muß, das haben wir oben nachdrücklich hervorgehoben. Ueberhaupt muß oft unterschieden werden zwischen strikter Vorschrift und den Forderungen eines feineren ethischen Empfindens, wie sie in den ספרי מוסר in den Sittenbüchern des Judentums aufgestellt werden. In einem der berühmtesten, dem ״Buch der Frommen“ wird die Berechtigung des sündigen Menschen, zum Zwecke seiner Nahrung ein Tier zu töten, trotz jener erwähnten biblischen Erlaubnis an Noah in Frage gestellt. ״Wie darf der Schuldige das Unschuldige schachten und essen?“1) Damit sei auch der talmudische Ausspruch erklärt, daß der Fleischgenuß nur den Weisen, nicht aber dem rohen, ungebildeten Menschen gestattet sei.2) In jenem Zusammenhang wird das Problem der Tötung der Tiere bei der Opfergabe erörtert. Und mit diesem Gedanken wird auch die biblische Verpflichtung, das Blut eines geschlachteten Wilds oder Vogels zu bedecken (Lev. 17, 13f.) begründet. ״Wexan einer sich anschickt, ein Wild oder einen Vogel zu schlachten, dann soll er sich wohl überlegen: Dies Tier, das nichts begangen hat, wird geschlachtet, wie soll der Mensch, der voller Sünden ist, vor Blutvergießen und dem Gehinnom geschützt bleiben? Darum hat Gott geboten, das Blut von Wild und Vogel zu bedecken, damit nicht ihr Schutzengel spreche: wie wird doch das Blut dessen, der keine Sünde begangen, vergossen, durch einen Sünder, dessen Sünde so rot wie Karmesin und Purpur.3) Auf den Schutzengel der Tiere sei nur nebenbei aber nachdrücklich verwiesen. Daß das Bedecken des Blutes der Würde des Tieres, seiner Seele gerecht werden *) Ä. a. 0. ed. Parma § 505 (ed. Mekize Nirdamim S. 96). 2) Ä. a. 0. § 1082 (Mek. Nird. S. 274) auf Grund von Pesachim 49b. 3) a. a. O. — Wieso dies Bedecken des Blutes bei anderen Tierarten unterbleibt, wird dort, wie auch sonst in den Kommentaren zur Bibel, näher ausgeführt.

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