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Jeschurun · 1928-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1928) · p. Seite 256

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 256 (sequence 12)
Language
German
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256 Das Leid der Tiere. rungen, abgesehen von dem an sich grundlegenden und übergeordneten Verbot, dem Tiere Schmerz zu bereiten, das unabhängig von der spezifisch rituellen Frage zu berücksichtigen wäre. Dem Kenner halachischer Diskussionen begegnet das auf Schritt und Tritt, so daß wir in vielen Fällen davon reden können, gewisse Dinge sind nur relativ erlaubt, wenn man nämlich einen anderen Gesichtspunkt außer Acht läßt. Zur Illustration dafür, wie halachische Erörterungen für die Einstellung zu gewissen Fragen und auch für die Praxis des Lebens nicht einseitig verwerten können, ein Beispiel aus einem ganz fernliegenden Gebiete. Die ganze Mischnahordnung Nascbim, wie die parallelen Boraithasammlungen ebenso wie die dazu gehörigen Partien der beiden Talmude sind voll von Komplikationen, die für die Ehegesetze sich aus den Fällen geben, in denen ein Mann mehrere Frauen hat. Bis in die späteste Gesetzesliteratur sind diese kodifiziert und im breitesten Umfange erörtert worden. Dabei hatte sich die Monogamie schon in den ältesten Zeiten soweit durchgesetzt, daß selbst die Tannaim und Ämoräer in Wirklichkeit nicht mehrere Frauen besaßen.1) In diesem Sinne ist denn auch ein Satz zu werten, der völlig isoliert steht unter den vielen Erörterungen, die von צער בעלי חיים von dem Leid der Tiere handeln und die uns noch beschäftigen werden. Er stammt freilich von einem späteren Halachisten, dennoch wollen wir nicht an ihm Vorbeigehen. צער בעלי חיים אין אסור אלא כשמצערה בלי רווח• Es ist nur dann verboten, dem Tiere einen Schmerz zuzufügen, wenn man es quält, ohne daß sich daraus ein Vorteil ergibt. Dieser Satz steht in den Piske Tossaphoth (Äboda sara I. Abschnitt) und ist aus den Tossaphoth (a. a. O. 11a s. v. עוקרי ן) gewonnen. Der Zusammenhang dort lehrt aber, daß dieser Satz bedeutet, man dürfe dem Tier nicht ,,unnütz“ einen Schmerz bereiten. Es können Fälle eintreten, wo es sich um *) Das ,מאן הויא ליומא von Rab (Joma 18b) hat wie dort ausgeführt, eine andere Bedeutung.

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