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Jeschurun · 1928-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1928) · p. Seite 253

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 253 (sequence 9)
Language
German
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Das Leid der Tiere. 253 Än der Spitze die Noachidische Gesetzgebung. Darunter versteht man, wie bekannt, die göttlichen Gebote, die in der vorsinaitischen Zeit als Offenbarung an Adam und Noah ergingen und aus Sitte und Brauch, aus Zivil- und Strafrecht, wie sie uns in den Erzählungen der Genesis begegnen, sowie aus den formell ausgesprochenen Verboten Gen. 2, 16f. und 9, 5—7 erschlossen werden. Im Talmud gibt es über den Umfang dieses Pflichtenkreises verschiedene Kontroversen.1) Es ist die Frage, ob ihre Zahl nur eine beschränkte oder ob die allgemein angenommenen sieben Gebote der Rahmen für ganze Gruppen von Geboten und Verboten sind. Die sieben noachidischen Gesetze stehen aber seit den ältesten Zeiten fest. Es handelt sich da um Götzendienst, Gesetze der sexuellen Sittlichkeit, Mord, Gotteslästerung, das Verbot des Raubes, die Verpflichtung für eine geordnete Rechtspflege zu sorgen und endlich um das Verbot, ein Glied von einem lebenden Tiere zu genießen. So umschließt die göttliche Offenbarung, die an aller Zeiten Anfang an die Gesamtmenschheit erging, die drei Pflichtenkreise, die Pflichten gegen Gott, gegen die Mitmenschen und gegen die Tiere.2) Und wenn wir keine andere Mitteilung aus Bibel und Talmud über die Stellung des Menschen zu den Tieren hätten, diese Fixierung der Noachidischen Gesetzgebung sagt alles. Und noch mehr! Dies Verbot, kein Glied von einem lebenden Tier zu genießen, ist nach der halachisch recipierten Anschauunq erst Noah nicht aber Adam offenbart worden.3) Denn diesen war nach Gen. 1, 29 überhaupt nicht das Recht über das Leben der Tiere verliehen, nur Pflanzenkost war ihm gestattet. Erst als die Menschheit von der Stufe der VoLlendung herabgesunken, in der sie aus Gottes Schöpferhand *) Vgl. mein ״Das jüdische Religionsgesetz in jüdischer Beleuchtung“, Heft 1. S. 84—86. Heft II. S. 105—116; dort auch die ausführlichen Quellenangaben. 2) Vgl. Maimonides More Neb III, 48 מעם אבר מן החי היותו מקנה ומלמד אכזריות• 3) Maimonides Jad Hachasaka Hilch. Melachim IX 1.

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