Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 250 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Das Leid der Tiere. Leben zum Opfer bringt. Zumal dort, wo eine Zurückdrän״׳ gung der Tierwelt durch die Ausbreitung der Menschensiedlung sich ergibt. Mit der doppelten Einschränkung, daß nur die notwendigen Ansprüche befriedigt werden, nicht die, die der Luxus stellt, und daß die Vernichtung der Tiere in Formen geschieht, die jeden unnötigen Schmerz zu vermeiden suchen. Das Argument, das aus den Anforderungen des Luxus und der Modelaunen soviele Menschen ihren Lebensunterhalt gewinnen, hält vor dem Sittengebot des Mitleids mit den Tieren nicht Stand. Für den Einzelnen kann es hier zu einem ernsten Kon-׳ flikt kommen, der eventuell zu seinen Gunsten zu entscheiden wäre. Für die Menschheit als Ganzes bieten sich aber so viele Wege des Ausgleichs, daß die Ethik, zu der doch auch die Pflichten gegen die Tiere gehören, zu ihrem Rechte kommen muß. Ein sehr gewichtiges Moment für die Begrenzung des Mit-׳ leids mit den Tieren ist aus der Natur selbst zu erbringen. Der Kampf ums Dasein vollzieht sich hier nicht in schonenden Formen. Welche Tragödien spielen sich im Meere ab, in dem fast jedes Wesen von einem anderen lebt. Wären die Fische nicht stumm, die Todesschreie ununterbrochen verröchelnder Tiere würden zu einem grauenhaften Akkord zusammenklingen, der über jedes menschliche Empfindungsvermögen hinausginge. Nicht nur ihre Nahrung suchen die Raubtiere. Viele sind blut-׳ dürstig und morden um des Mordens willen. Die Kleinsten und dem Auge gefälligsten wüten hier oft am schlimmsten. Was für ein Verbrecher unter den Vögeln, möchte man sagen, ist der ״Würger“. Und man kann nur mit Ergriffenheit von dem Treiben der raubsüchtigsten und gefräßigsten aller Delphine den Schwertwalen oder Mördern lesen, jenen Wölfen des Weltmeeres. Sie fressen nie vom Nordwal; nur aus einer Art von Naturfeindschaft lauern sie ihm Tag und Nacht auf und fallen über die riesenhafte Beute her, wie die Meute über einen gehetzten und niedergerissenen Hirsch. Einige hängen sich an das Haupt des Wales, andere fallen von unten über ihn her, während mehrere ihn bei den Lippen packen und unter Wasser halten oder ihm, wenn er den gewaltigen Rachen