Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 248 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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248 Das Leid der Tiere. sieh ein entsetzlicheres Leiden denken, als das eines bewußten Wesens, dem allmählich all seine Organe untreu werden und das endlich gleichsam lebendig in einem Leichnam eingeschlossen ist? Es besitzt noch Gefühl und Willen, hat aber die Fähigkeit verloren, seinem Gefühl und Willen Ausdruck zu geben. Der Tod, der dem Beobachter so leicht und schmerzlos einzutreten scheint, ist im Gegenteil von den entsetzlichsten Qualen begleitet, die menschliche Phantasie erfassen kann.“1) Aber gerade die Angriffe auf die Vivisektion bieten die Gelegenheit, sich darauf zu besinnen, daß das Leid der Tiere in gewissen Grenzen unvermeidlich ist. Dort, wo es sich um Rettung von Menschenleben handelt, wird der Vivisektion ihre Berechtigung eingeräumt werden müssen. Es ist nun einmal so, daß bei einem Konflikt der Pflichten nicht immer alles rein aufgeht. Hier das Rechte zu treffen ist freilich überaus schwer. Es ist völlig einseitig, wenn in den Schriften der Gegner der Vivisektion die Serumtherapie herabgesetzt und ihr aller Wert abgesprochen wird, weil sie durch Versuche am Tiere ihre Entdeckungen gemacht. Andrerseits ist zu fordern, daß das völlig willkürliche Recht über das lebende Tier nicht jedem ohne weiteres eingeräumt wird, daß Kautelen geschaffen 1j Das Material, das wir hier gewissermaßen nur in Abbreviatur zusammengestellt, ist allgemein bekannt. Benutzt ist außer einer Reihe von Schriften aus der Tierschutzliteratur vor allem Manfred Kgber, Tierschutz und Kultur. Nur schade, daß dieser ״Dichter der Tiere“ als der der Vf. des Buches bekannt ist, ununterbrochen von der arischen Ethik spricht, zu der die Menschheit sich emporentwickeln müsse. Das gibt seinen beachtenswerten Äeußerungen einen unangenehm tendenziösen Änstrich. Dabei sagt er selbst, daß dem Äbendländer das Gefühl der Naturnähe abhanden gekommen ist, und daß dies den Äsiaten und sogar den Primitiven vorteilhaft von dem Dutzendeuropäer unterscheide (S. 8). Äus dieser prononciert ״arischen“ Einstellung erklärt sich auch wohl, daß er die Angriffe gegen das rituelle Schächten in ihrer schärfsten völlig unwissenschaftlichen Form übernimmt.