Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 240 (sequence 123)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Wunderbares im Alltäglichen sind nicht nur die Blätter mit aller Farbenpracht abgebildet, sondern auch Raupen, Maden, Tautropfen, Beeren. Hier ist nichts von Nachahmung, hier nichts von einem Ungefähr, hier eine Schöpfung, über deren Sinn wir im Dunkel tasten. Nach einem Plan, den wir nicht zu erfassen vermögen, hat eben der Weltenbildner alles hervorgebracht. Wir müssen uns schon glücklich schätzen, wenn wir den Rhythmus erkannt, der durch die Lebensvorgänge rauscht. — Selbst die Pflanze hat einen Herz- und Pulsschlag. Jede Pflanzenzelle nimmt während der Phase der Ausdehnung Wasser von unten auf und gibt es während der Phase der Zusammenziehung nach oben ab. Der Aufstieg des Pflanzensaftes erfolgt durch eine grosse Zahl von senkrecht in der Pflanze gelegenen Zellenpumpen. Die Periode einer einzigen Pulsierung ist im allgemeinen ca. 14 Sekunden. Die Rinde, die das holzige Gewebe umgibt und die sich durch die ganze Länge des Baumes hinzieht, ist der tätige Vermittler der Ausbreitung des Saftes. Die holzigen Gefässe dienen vorzüglich als Aufbewahrungsbehälter für das Wasser. Der Kreislauf des Saftes der Pflanze ähnelt also dem Blutkreislauf. Die Pflanze wie das Tier zieht sich vor einem Reiz zusammen; sie besitzt ein reichentwickeltes Nervensystem. Diese Beobachtung, dass auch in der Pflanze in schlichteren Formen sich abspielt, was das Leben des Tieres und des Menschen bedeutet, lässt uns bewundernd stehen vor dem grossen Gedanken der Einheit in der Mannigfaltigkeit, wie er in der Schöpfung verwirklicht ist. Das Innerste des Wesens bleibt freilich immer ein Mysterium. In den Anden und dem malaischen Archipel wächst die monstera deliciosa aus der Arazeenfamilie. Diese Pflanze besitzt grosse zerrissene und von siebartigen Löchern durchsetzte Blätter. Ein Bedauern regt sich bei diesem Anblick der entstellten Pflanze. Hier haben offenbar Raupen ihr Zerstörungswerk verrichtet. In Wirklichkeit jedoch — so meldet die neuere Forschung — könnten die Blüten nicht gedeihen, wenn sie nicht genügend Sonne hätten und so bringt es die Entwicklung der Pflanze mit sich, dass ihre Blätter wie alte Seide zerschleissen. — Eine Fliege belästigt dich. Wir haben den Störenfried! Schau dir