Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 211 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine neue Geschichte des Judentums usw. 211 mosaische Religion kein spezifisches Sühnopfer vorgesehrieben habe (z. B. die Nichtehrung der Eltern) sollte der Sündenbock am Jaum Kippur (als Symbol des Bösen in der Welt und im Menschen) sühnen, auch dies aber geschieht nur unter der Bedingung, dass das persönliche Schuldgefühl vorausgegangen war. Dieses Teschuwagefühl sollte sein eine völlige Umwandlung des ganzen Menschen und seines Charakters, ein Wandel, den die Talmudweisen mit a new creation bezeichnen. Bei der kritischen Betrachtung der Quellen zieht Moore neben Mischnah und Midraschim (besonders fussend auf Bubers Midrasch Tanaim) auch die Apokryphen im weiten Masse zur Vergleichung heran. Allerdings bemerkt Verf. gleich grundsätzlieh (gegen die Auffassung wohl der meisten christlichen Theologen mit Ausnahme Herfords, ״Die Pharisäer״ neue Auflage 1928, (siehe ib. p. 210 ff.), die Apokryphen seien nie und nirgends als Quelle für das normative Judentum des Talmuds anzusehen. Die Apokryphen hätten vielleicht die mystische Vorstellung von einer Transzendenz Gottes, die Vorstellung eines in höchsten Himmeln thronenden, von Engelscharen umgebenen und hofhaltenden, allem Irdischen entrückten Gottes liefern können, siehe schon Jesaja Kap. 6 u. a. St.); jedoch gerade diese VorsteUung bat im talmudischen und midraschischen Schrifttum wenig bemerkenswerte Spuren hinterlassen (den Sohar zählt, Verfasser wohl nicht zu den im zweiten Jahrhundert entstandenen Schriftwerken). Sicher aber sei es falsch von den Theologen, aus solchen visionären Schriften wie den Apokryphen irgendein Dogma für die Anschauung der Talmudweisen zu schöpfen. Die Anschauungen der Apokryphen seien der Welt des Talmuds völlig wesensfremd (I, p. 129) und seien deshalb ausserhalb des Gedanken- und Lebenskreises des talmudischen Judentums geblieben (vgl. auch die treffenden Ausführungen des genannten Buches von Herford darüber, warum die Apokryphen von unseren Weisen nicht in den Kanon der heiligen Schriften aufgenommen wurden, 1. c, p. 220 ff.). Es bleibt für den christlichen Verfasser höchstens die Frage, ob nicht die Evangelien des