Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 205 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine neue Geschichte des Judentums usw. 205 durchdringen. Selten habe ich ein Werk dieser Art gelesen, aus dem die schlichte Ueberzeugtheit und Gerechtigkeit mit 80 unmittelbarer Eindringlichkeit den Leser anspräche wie hier. Nichts liegt dem Verfasser ferner als verstiegene Ausdrücke, obwohl auf jeder Seite seine Liehe, ja Begeisterung für jüdisches Schrifttum und jüdisches Empfinden bei aller Objektivität sich kundtut. Selbst an den Stellen, wo der Verfasser seinen persönlichen Eindruck vorträgt und zum Polemiker gegen irrtümliche gegnerische Meinungen wird, ist nirgends tendenziöse Kritik spürbar, sondern überall die vornehme, leidenschaftlose Haltung des Historikers, der das Zeitbedingte, Zeitgebundene Verständnisvoll von dem Ewiggültigen scheidet. Bei der fast unübersehbaren Fülle geistvoller Bemerkungen und der Aktualität der behandelten Probleme und der versuchten Lösungen können wir es uns nicht versagen, in einigen knappen Strichen Anlage und Inhalt des Werkes zu skizzieren. Wir sind sicher, dass diese Uebersicht selbst für den Fachgelehrten in manchen Punkten Beachtliches, für alle Leser aber reichen Stoff und mannigfache originelle Anschauungspunkte und Anregungen bieten kann. Es ist vielleicht nicht zuviel gesagt, dass sich auf einen Auszug aus diesem Werke so etwas wie ein Vademecum gegen die landläufigen Angriffe auf den Talmud, eine originelle Darstellung der Sitten- und Gesetzeslehren des Talmuds aufbauen liesse. Man kann das Erscheinen dieses Werkes getrost als einen קדוש השם, als eine Ehrung jüdischen Geistesschaffens bezeichnen. Als Ziele seines Werkes bezeichnet der Verfasser: die Darstellung der Begriffswelt des talmudischen Judentums, seiner Moral und seiner religiösen Lebensformen, die Herausarbeitung der konstitutiven und normativen Merkmale des Frömmigkeitsideals der Talmudweisen; die Untersuchung der Quellen und der zeitlich historischen Bedingtheiten, die Strukturen des talmudischen Judentums und seines Verhältnisses zu zeit- und geistverwandten Erscheinungen (I, p. 125). I. Die einleitenden Kapitel (I—IX), die einen historischen Ueberblick bringen, brauchen hier nur kurz gestreift zu werden.