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Jeschurun · 1928-03-01 · Heft 3-4 (März 1928) · p. Seite 203

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 3-4 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 203 (sequence 86)
Language
German
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Eine neue Geschichte des Judentums usw. 203 durch die tonangebende Darstellung Schürers ,Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi״), haben wir Juden in Deutschland beinahe die Hoffnung aufgegeben, den Talmud, seine Lehrer und Lehren von christlicher Seite in gerechtem Sinne gewürdigt zu sehen. Dies ist bei der heutigen Zeit- Stimmung und der gerade die intellektuellen Kreise umnebelnden Judäophobie noch weniger als je zu erhoffen. Auch die Werke, Abhandlungen und Aufsätze von Aptowitzer, Bäck, Büchler, Hermann Cohen, Elbogen, Eschelbacher, Güdemann, Marmorstein, Perles, Schreiner, Wohlgemuth u. a. haben hier keinen Wandel geschaffen, wenn auch nicht zu leugnen ist, dass sie die Christliehen Theologen ein klein wenig zur Revision der alten geradezu naiven Auffassung gezwungen haben. Um so freudiger ist ein Werk zu begrüssen, das uns aus Amerika herüberkommt, welches einen wahrhaft vorbildlichen Geist atmet und dazu berufen erscheint, die Beurteilung der tanaitischen Zeitalter und ihrer geistigen Wortführer im aufklärenden Sinne entscheidend zu beeinflussen. George Foote Moore, Prof, der Theologie an der Harvard-University, hat etwa dreissig Jahre seines Forscherlebens seinem soeben erschienenen Werke gewidmet: ״Judaism in the first centuries of the Christian Era“ (Cambridge, Harvard University Press 1927, 2 Bände, I 252 Seiten, II 486 Seiten. Ein weiterer Band mit kritischen Noten soll noch folgen). Man kann es ruhig aussprechen: Das Werk bedeutet eine Epoche für die objektive Beurteilung des Talmuds und der einschlägigen Materie; es wimmelt von Aktualität und Gegenwartswerten in jedem Abschnitte. Etwas wie ein n e u e r G e i s t, ein Brudergeist weht uns aus jedem Kapitel entgegen, es kann ein standard-work der Geschichte jüdischer Ideen werden. Es wäre eine Ehrenaufgabe des deutschen Judentums, dieses Werk durch eine würdige Ueber- Setzung deutschen und jüdischen Eireisen zugänglich zu machen. Schon jetzt aber wird es gut sein, die jüdische Oeffentlichkeit auf dieses weitschauende Werk jüdischer Ideengeschichte von nichtjüdischer Seite mit Nachdruck hinzuweisen und gewisse Leitgedanken des weitschichtigen Werkes für einen grösseren

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