Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 152 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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152 Der Gottesdienst usw. nesses, seine Popularität und Beliebtheit in allen Kreisen zn wahren wissen. Auch der Schulunterricht muss dem wirklichen Bedürfnis der Synagoge in viel höherem Masse Rechnung tragen als bisher. Unsre Kinder müssen beten lernen, müssen vor allem mit Nigun beten lernen, müssen zur Teilnahme am Gemeindegottesdienst systematisch herangebildet werden. Der Schatz synagogaler Melodien muss in ihnen lebendig sein und den Inhalt der Gebete mit jenem Schmelz, jener Heimlichkeit und Traulichkeit umweben, die Geist und Herz zum harmonischen Zusammenspiel führen. Daher ist eine straffere Organisation, eine ehrfürchtige Vereinheitlichung der Gemeindegesänge erforderlich, dass sie Gemeingut werden können, dass jeder sich sofort in der Synagoge zu Hause fühle. Was dem Kind ins Herz gesungen, bleibt ewig. Man ändere die Nigunim nicht, entscheidet der Rmo; warum nicht? Damit man nicht verwirrt werde, fugt der Mögen Awrohom erklärend hinzu. Heute aber bleibt selten ein Kind dauernd im Heimatort. Sorgt dafür, dass es, auch wenn es von dem väterliehen Gotteshause entfernt wird, kein Fremder im Hause des Ewigen werde, dass es nicht ״verwirrt“ werde. Ich rede darin aus Erfahrung. Aus Erfahrungen, die ich als Schulmann in Jerusalem, Kowno und Hamburg gemacht, die ich als stellvertretender Feldgeistlicher im Osten, als Gefängnisgeistlicher in Berlin und Altona gesammelt habe, endlich aus den bitteren Erfahrungen, die man beim Gottesdienste der Zwerggemeinden immer wieder mit brechendem Herzen erleben muss. Gelingt es in einer Melodie alle zusammenzufassen, so ist plötzlich der Bann gebrochen, die Zunge gelöst, der Raum erfüllt, die Vereinsamung überwunden, das glückliche Gefühl, zu seinem Gotte sprechen zu können, gewonnen. Der Lehrerschaft, der die religiöse Zukunft ihrer Sprösslinge am Herzen liegt, sei deshalb der Ernst unsres Problems ans Herz gelegt. מאן דבעי למהוי חסידא יקיים מילי דברנות möchten wir frei dahin deuten: soll die Judenheit fromm bleiben, lehrt sie beten, kräftiget und fördert die Fähigkeit des Gebetes!