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Jeschurun · 1928-03-01 · Heft 3-4 (März 1928) · p. Seite 148

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 3-4 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 148 (sequence 28)
Language
German
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148 Der Gottesdienst usw. vom Maharil als solche bezeichneten nur eine besondre Ehrung sie auf den Almemor führte. Und doch welch tiefe ethische Gesinnung spricht sich in dieser Einrichtung aus! Wer besondres Schicksal erfahren, in Glück oder Unglück, der fühle in sich die Verpflichtung, die Lehre Israels noch mehr zu fördern, zu verbreiten! Am würdigsten ist es jedenfalls, die Mizwa und den Platz im Gotteshause unverkäuflich zu lassen. Denn jedem steht darauf ein Anspruch zu, der Mitglied der Gemeinde und Mitträger ihrer Lasten ist. Das Verfahren der direkten Besteuerung und der Aufbringung des Gesamtetats der Khilla durch allgemeine Umlagen — das sei nebenbei zu bemerken gestattet — ist der grösste Fortschritt und das Ideal der Finanzverwaltung unsrer Gemeinden. So gewiss in allem Religiösen der Satz gilt: גדול מצווה ועושה משאינו מצווה ועושה, dass das Vorgeschriebene, Pflichtgemässe höher zu werten ist als die freiwillige Leistung, so gewiss ist der ohne Befragung der Einzelnen auf Grund allgemeiner Beschlüsse auferlegte Beitrag sittlich wertvoller als die vom den Einzelnen besonders erbetene, als Spezialleistung empfundene Spende, für die ihm Dank und Ehre gebührt. Es mag dem Reichen geschmeichelt haben, sich als Wohltäter und Beglücker der Oeffentlichkeit zu empfinden. Die wahre Würde des jüdischen Individuums wächst aber dadurch, dass er für die Angelegenheiten der Gesamtheit, die durch die Khilla vertreten ist, dem Zugriff und der sachlichen Verfügung sein Vermögen anheimstellt. Heute ist die Deckung der Gemeindeausgaben durch Mizwausverkauf und Scbnodergelder, was immer nur eine Notstandsmassnahme war, ein Anachronismus; im Interesse unsres Gotteshauses und der ethischen Wirkung des Toravortrags müsste davon ganz und gar abgesehen werden. Denn wer wüsste nicht, dass die Verteilung der Mizwaus und die protzigen Nedarim das einzige Gespräch der Gemeinde, die immer neue Sensation, die alles in den Schatten drängende Aufregung des Tages bilden? Wie sollte da der Sinn gesammelt, die Aufmerksamkeit konzentriert werden, dem Verständnis der Tora Vorlesung sich zuzuwenden? Wie jeder dran denken, sich von dem Gehörten ergreifen, erschüttern, emporheben zu lassen?

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