Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 143 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Gottesdienst usw. 143 Widersinn und Verbrechen. Wer seine Stimme lauter tönen lässt, als die Gemeinde, ja, wer mehr Gehorsam und Unterwürfigkeit zeigt als wie vorgeschrieben ist, indem er sich häufiger verneigt, der gehört zu den Hochmütigen, die im Bes Haknesses keine Stätte haben (Berachoth 34 a Toss. s. v. מלמדין). Warum haben die Weisen die Siebenzahl der Aufzurufenden angeordnet? Doch grade um auszusprechen, dass die Tora allen gehört, dass Kohanim, Lewiim und Jisraelim ihren Teil an ihr haben, dass alle an ihr mitwirken und mitarbeiten dürfen. Ja sogar dem völligen Am Haarez, dem Unwissenden, der nicht einmal die verlesenen Worte leise nachsprechen und verstehen kann, konnte man das Recht zur Brocho nicht streitig machen; trotzdem es der Schulchan Aruch (Or. Ch. 139, 2) ihm vorenthalten will, haben die ״Grossen der Welt״ es ihm zugesprochen (Oruch Haschulchon), und der Bes Josef selbst stimmt auf Grund des Sohar zu, dass sein stummes Zuhören hier gleichbedeutend mit innerer Anerkennung ist. Hier, wo eigentlich das Bekenntnis zur Tora den Sprecher Lügen straft, wo seine Unwissenheit doch zeigt, dass er den Segen der Tora nicht zu empfinden fähig ist, lag es allerdings näher, ihm den Zutritt zur Bima, zur Rolle des Torakünders zu versperren. Dennoch geschieht dies nicht. Es ist bezeichnend, dass auch hier bei dem Aufrufen schliesslich wie beim Gebet unsre ideelle, potentielle Gleichheit entscheidender wurde als unser faktisches Torawissen. Dieses hatte hier ganz natürlich ursprünglich das grösste Gewicht. Dennoch trat es in den Hintergrund. Während durch 7 Toragelehrte, die aufgerufen werden, unsre Arbeit und Leistung an und in der Tora bezeugt würden, so bedeutet das Aufrufen von irgend welchen sieben Männern, dass wir alle gleichmässig zur Tora berufen sind. Dieser letzte Gedanke siegte. Deshalb kann die Toravorlesung nur innerhalb der Gemeinde mit der Zehnzahl erfolgen, denn an die Gemeinde ist sie gerichtet, auch der Einzelne kann seinen besonderen Segen über sie nur sprechen, insofern er innerhalb der Gemeinde ihn spricht. Jeder betet zwar für sich ברכת התורה, dankt zweimalig morgens und einmalig abends für die Lehre, die ihm zum Studium auf-