Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 142 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Der Gottesdienst usw. trnser Leinen solch tiefgehende Einwirkung nicht übt, dass es fast spurlos an uns vorabergeht? Gewiss liegt es z. T. an der krassen Unwissenheit der Hörenden, denen das Wort der Lehre siebenfach versiegelt ist. Hat dies doch schon zur Zeit der Tannalm. zur Einführung des Meturgeman, des Dolmetschers und Uebersetzers geführt, der das Hebräische in das Volksidiom abertragen, Gehalt und Sinn der Worte in die Midraschdeutung aberfahren musste. Das Aufhören des Aramäischen als Volksdialektes hat den Meturgeman zum Verschwinden gebracht, der noch in der Paitanimperiode gang und gäbe war, wie das אקדמות und יציב פתגם am Schwuausfeste mit der Hindeutung auf den יהונתן נבר ענותן also auf Targum Jonathan ben Usiel beweist. Sein Verschwinden erklärt aber nur teilweise das ungenügende Interesse, mit dem die Worte des Vorlesers verfolgt werden. Denn selbst in frommen Gemeinden, deren überwiegender Teil die Sidra versteht, zeigt die Tora- Vorlesung bestimmte Mängel, deren Abstellung u. E. leicht erfolgen könnte. Der schlimmste Uebelstand scheint uns darin zu liegen, dass das Leinen mit zuviel Nebendingen belastet ist, die die Aufmerksamkeit zu sehr von der Hauptsache selbst ablenken. Die Eitelkeit und Wichtigtuerei hat sich in den Alijaus und dem Schnodern eine Domäne freien Spieles geschaffen, hat die Synagoge zum Tummelplatz niederer Empfindungen gemacht, so dass alle heiligen Gefühle durch sie verbannt, die höchste Wirkung des Gottesdienstes durch sie gefährdet wird. Das Gotteshaus soll der Beinheit des Herzens dienen, Demut, Bewusstsein der eigenen Nichtigkeit soll jeden Eintretenden erfüllen. ,Ich trete, mich bis zur Erde verneigend, die Knie gebeugt, vor Gott meinen Schöpfer.“ ,Was sind wir, was unser Leben, was unsre Güte, was unsre Frömmigkeit, was unser Heilesanspruch, was unsere Kraft, was unser Vermögen! Alles ist Nichts und eitel vor der Erhabenheit Gottes“, 80 leiten wir das tägliche Gebet ein. Jede Art, die eigne Person vorzudrängen, sich aus der Gesamtheit herauszuheben, die eigne Ueberlegenheit fühlbar zu machen, ist im Hause des Ewigen