Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 141 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Gottesdienst usw. 141 die zentrale Bima abgeschafft, trotzdem die Kreuzform des Grundrisses gradezu im »Geviert* die Betonung der Mitte herausforderte. Die Reform hat alsdann im sinnlosen Widerspruch mit sich selbst die unjüdische Bauart sich zu eigen gemacht und damit im Symbol sich selbst negiert. Die jüdische Symbolik dagegen prägt sich in den alten Insignien des Porauches typisch aus: Der flammenumlohte Sinai, der Ariel Harel, ־wird dargestellt durch feuergelbe Löwen mit roten Flammenzungen, diese tragen die Tafeln des Gesetzes. Die Tora verleiht und trägt allein die Krone des Lebens. Sie ist die Sonne und das Licht. Sie ruht hinter der Doppelsäule, Jachin und Boas, der Sicherheit und Kraft, mit dem Kapital aus Blumen und Früchten, dem Sinnbild der Fruchtbarkeit des Gesetzes für das Leben. Die Toravorlesung macht uns zu einer Gemeinde der Hörenden und dadurch zu einer wahren Gemeinde. Die betende, sprechende Gemeinde, mögen auch alle Lippen dieselben Worte sprechen, ist doch noch stark differenziert nach Ausdruck, Stimmung, Andacht und Innigkeit des Gesprochenen; im stummen Lauschen, im ehrerbietigen Schweigen vor der Stimme des Himmels ist die ideale Gleichheit Aller verwirklicht (Rosenzweig, Stern d. Erlös. S. 381). Es muss mit tiefem Schmerze ausgesprochen werden, dass in unsren Synagogen die Toravorlesung oft der schwächste Teil der Gesamtveranstaltung geworden ist. So eindrucksvoll und dramatisch das Ausheben und Einheben der Tora erfolgt, so wenig wirkt zumeist das Leinen selbst auf das Gemüt. Als Esra die erste Toravorlesung am Rosch Haschono vortrug, da war das Volk ins Innerste erschüttert, in Tränen aufgelöst, so dass er es durch freundlichen Zuspruch zu beruhigen die Lewiten veranlassen musste (Nehemia Kap. 8). Die Tora selbst hat eine öffentliche Vorlesung durch den König angeordnet, »damit sie hören und damit sie lernen, dann werden sie fürchten den Ewigen, euren Gott und werden übend bewahren alle Worte dieser Lehre* (Deuternom. 31,12). Wer wird leugnen, dass