Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 140 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Der Gottesdienst usw. und Halbfeiertagen, nach Baba Kama 82 a auch an jedem Montag und Donnerstag aus dem Gottesbuche vorzulesen. Aber ihre endgültige Ausgestaltung erfuhr auch diese Einrichtung erst durch das hohe Kollegium der Ansche Knesses Hagdaulo. Die Ueberlieferung knüpft sie speziell an den Namen Esras, des Sofers, des genialen Volkserziehers. In dieser Tekanah reichen sich Moses und Esra die Hände. Die regelmässige Toravorlesung war eine Tat von unbeschreiblicher Segenswirkung, fast so folgenreich wie die Offenbarung der Tora selbst. Erst sie hat die Lehre zum Volksgut gemacht, erst sie das Gottes wort zum Weiherhythmus unsres Lebens, zur bestimmenden Melodie aller Tagesereignisse gemacht, erst durch sie wird der Jahresablauf eine Wiederholung, eine Projektion des grössten Geschehens in der Geistesgeschichte. Die Toravorlesung bestimmt die Grundlinien für den Bau der Synagoge. Das Gebet selbst fordert nur ihre Orientierung nach Jerusalem, fordert die 12 Fenster in der Runde, weil alles Gebet, wie schon dargelegt, in der messianischen Erlösung Israels und in der Vereinigung mit allen nach Ost und West und Süd und Nord verstreuten Stämmen gipfelt. Die Toravorlesung aber, um derentwillen der Oraun Hakaudesch und der Almemor die beiden Höhepunkte des Baues werden, gibt dieser Erlösungshoffnung die Richtung auf das Gesetz. Der Blick nach dem Lande der Väter wird zum Blick auf den Schrein der Tora; der Weg nach Zion ist der Weg der Verwirklichung der göttliehen Gesetzgebung, der Tora. Diese thront erhöht über allen, לעולם נצב דברך בשמים, denn sie hat ihren Ursprung im Jenseits, im Ueberirdischen. Aber sie steigt hernieder zu uns; nur solange sie verhüllt und unerschlossen ist, trennt sie der Vorhang der Transzendenz von Israel. Ertönen und laut werden muss sie aus unsrer Mitte, לא בשטים היא, denn sie ist uns zu eigen gegeben, ist Gemeingut, von Moses anbefohlenes, der Gemeinde Jakobs, ist jetzt die immanente Seele unsres Volkes. Im Christentum bleibt das »Wort* charakteristischer Weise stets in weltvemeinender Jenseitigkeit: daher wurde folgerichtig, als es in der Basilika von uns die Synagogenbauform entlehnte,