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Jeschurun · 1928-03-01 · Heft 3-4 (März 1928) · p. Seite 135

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 3-4 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 135 (sequence 15)
Language
German
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Ibsen 135 Gesellschaft und die Entwicklung der Menschheit geht, jene tiefsinnige Auffassung, dass die Schuld dem Heile dient, auch dass ein Kain von Rechts wegen ein gottgesandter Bote ist u. s. f. Unklarheit kommt in das Ganze dadurch, dass Heidentum und Judentum zusammen als ״das erste Reich“ im Gegensatz zum ״zweiten Reich unter dem Kreuze“ stehen, wodurch nicht nur eine schiefe Beurteilung des Judentums sondern auch des Christentums sich ergibt, das ja überall die Lehren des Judentums voraussetzt. Es ist der alte Gegensatz: Heide und Nazarener, der hier zum Austrag kommt. Tiefer gefasst als es gewöhnlich geschieht, da nur Diesseitsfreude und Jenseitssehnsucht, irdische und himmlische Lust, der Dienst am Körper und der am Geiste einander gegenüber gestellt werden. Das heidnische Reich, das Reich der Sinnlichkeit ist trotz all seiner Natürlichkeit kein Reich der Vollkommenheit. Denn es entspricht nur dem Kindheitsalter, es steht unter dem Zwange des Muss, der Triebe. Die heidnische Sünde erschien zwar schön, weil sie in Unschuld begangen wurde, weil die Menschen noch nicht in der Einheit ihres Wesens gestört waren. Doch erwacht in ihnen der Geist und die Seele, dann muss die Einseitigkeit und Unfreiheit des Menschen erkannt werden, dann tritt die Menschheit in das zweite Reich in das Reich unter dem Kreuze. Hier herrscht das Sollen. Die Herzen der Menschen werden umgewandelt und das zweite Reich, das Reich des Geistes bricht an. Das Kind wird zum Jüngling, das Körperliche wird verachtet, statt des Sinnenglücks sucht man Seelenfrieden. Aber das Reich unter dem Kreuze ist ebenso unvollkommen. 0מ, er ist entsetzlich, dieser rätselvolle — dieser schonungslose Gottmenscb!... Ich sollte! Krampfte sich meine Seele in wühlendem, zehrendem Hass gegen den Mörder meines Geschlechtes zusammen, so hiess es: Liebe deine Feinde!... Fühlte ich des Leibes süsse Lust und die Begierde nach diesem oder jenem, so sehreckte mich der Fürst der Entsagung zurück, mit seinem: stirb hier ab, um dort zu leben! — Das Menschliche ist etwas Unerlaubtes geworden mit dem Tage, da der Seher

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