Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 134 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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134 Ibsen Tfaoragesetzes eingedrungen, wenn es nicht nach dem Paragraphen geübt, sondern nach all der seelischen Wägung verinnerlicht wird, wozu Mussardenken und Mussarempfinden die Religiosität anleitet. Ach nein, bei uns muss nicht das ״Alles oder Nichts״ jene innere Zerrissenheit erzeugen, die Brand bei allem Manneswillen und ״seiner Natur treu bleiben״ durchwühlt. ״Gib o Gott, ihr neuen Mut! Und von mir, 0 nimm des Kelches Bittern Trank ihr des Gesetzes Raubtier zuzuschicken, welches Durstig trinkt ihr Herzensblut.״ Ueberflüssig zu bemerken, dass all dies nicht von der Masse gilt, die überall ihre Kompromisse zu finden wei88. Aber dass von jenen schweren Angriffen nicht das Judentum und seine Lehre getroffen wird, nach deren wesentlichen Forderungen, denen der äusseren Normen und der innerlichen Vertiefung doch Unzählige leben, ist über allen Zweifel erhaben. Das dritte Reich. Wenn Brand noch vielleicht als das Drama der Willensstärke unabhängig vom religiösen Einschlag gewertet werden könnte (bekanntlich hat Ibsen die merkwürdige Behauptung aufgestellt, er hätte den gleichen Syllogismus an einem Bildhauer oder Politiker fertiggebracht) so ist das Doppeldrama ״Kaiser und Galiläer“ ausschliesslich als die gedankentiefe Auseinander- Setzung über die Frage zu betrachten, was ist Sinn und Ziel der Religion in der geistesgeschichtlichen Entwicklung der Menschheit, was galt als Bestimmung des Menschengeschlechts, was gilt und was wird dereinst gelten. Es kann hier Dicht unsere Aufgabe sein, in eine literarische Kritik dieser nach Gegenstand und Behandlung so bedeutenden Dichtung einzutreten. Sie teilt die Schwächen jeder Gedankendichtung und jedes Dramas, das eine solche Fülle von geistigen sich durchkreuzenden Bewegungen ein ״welthistorisches Schauspiel“ in die Enge einer in den Mitteln immer beschränkten Darstellung pressen will. Dazu kommt, dass Ibsen all die Probleme hineingebracht, die ihn sein ganzes Leben hindurch beschäftigt: jene kausale Verkettung, die durch das Leben des Einzelnen, der