Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 132 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293057-2293060--09644-2302932- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sinn des Lebens des Christen, wenn es nicht die Verkündigungen und Gebote seines Gottes sind, als der der Stifter des Christentums doch immer gelten soll. Erlösungsreligion! Dies Schild, das für Schuld und Sühne reichen mag, kann doch nicht alles decken! Es ist, man verzeihe das Wort, eine innere Unwahrhaftigkeit, zu der von vornherein die Verbindung von Lehre und Leben für den Christen verurteilt ist, der ein echter Jünger des Meisters sein will. Dann bleibt eben nur der Individualismus, der ja auch die edelste Blüte des echt evangelischen Christentums sein soll. Aber der reicht nur für religiöses Empfinden, nicht aber als Leuchtfeuer für das rechte Handeln dort, wo es zu den Konflikten kommt, die den Menschen vor die an sich doch einzig berechtigte religiöse Losung stellen: Alles oder nichts! Die einzig berechtigte religiöse Losung?! Also auch die des Judentums?! Wobl! Auch bei uns heisst es: ״du sollst lieben den Ewigen, mit deinem ganzen Herzen und mit deinem ganzen Leben und mit deinem ganzen Vermögen!“ Wir sollen keine Kompromisse schliessen und sollen Gott mit dem ganzen Herzen danken, auch wenn er uns Leid geschickt, sollen das Leben für Ihn opfern und sollen das letzte Hab und Gut hingeben, wenn Er es fordert. Wir haben aus dem Gang des dramatischen Gedichts oben alle jene Züge hervorgehoben, die illustrieren, wie Brand sein Leben dahingeben will, wie er von der Mutter Vermögen, von seiner Gattin Herzen alles fordert. Aber bei uns stirbt eben nicht der ״der J.. vah schaut“. Oder besser er schaut Ihn eben nicht mit seinen eigenen Augen, die sich in ein grauenvolles Bild des Alleszermalmers versenken. Wir schauen Seine Lehre. Und uns ist gesagt, wo die Grenzen der Forderungen sind. Wir wissen וחי אחיך עמך חייך קודמין לדדי חברך (Baba m. 62 a) dass so heilig das Leben eines Menschen auch ist (״woher weisst du, dass dein Blut röter, vielleicht ist das Blut deines Nächsten röter“?) dennoch die Hingabe des Lebens für den anderen nicht gefordert wird, ja ein Unrecht ist, wo es nicht um das Leben des andern geht. Wir wissen, dass die Verpflichtung der Liebe