Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 130 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Ibsen Verhalten gegenüber der eigenen Mutter ein Verbrechen sein; Und nun, da das Kind stirbt, da beginnt sein Kampf gegen den Schmerz der Mutter. ״Lass mich klagen, lass mich weinen, Hilf mir zweierlei zu einen: Meinen Schmerz und meine Pflicht!* Brand aber gestattet ihr nicht einmal den Blick auf das Grab. Freudig 8011 sie auf den Schmerz verzichten. ״Ein jedes Opfer ist vergebens, Gibst du statt alles etwas blos.“ Es ist oft genug hervorgehoben werden, dass eine der ergreifendsten Scenen aus der ganzen Weltliteratur die Schilderung ist, wie die Mutter den Kampf in sich ausficht, das Licht ans Fenster stellen will, damit die Seele ihres Kindleins auch teilnimmt an dem Feierabend, wie sie die Kleiderchen und all die Erinnerungen heraussucht, mit ihnen spielt. Da kommt die Zigeunerin mit ihrem frierenden entblössten Kinde, und Brand fordert von Agnes, dass sie alles, das Teuerste, das ihr vom Kinde geblieben ist, weggeben soll. Sie gibt unter Zögern und verzweifelten Seelenkämpfen, eins nach dem anderen hin. Und nun das Bekenntnis seiner Frau: ״Ich habe Eins behalten. Dieses Mützchen, das er trug In der fürchterlichen Stunde, Nass von Tränen, — Todes3chweiss — Das ich auf dem Herzen trug — 0, du zürnst mir nicht, ich weiss“ —Und Brand? Geh, wo deine Götzen walten!“ Und nachdem sie nun das letzte Opfer gebracht: ״Doch nun hast du selbst die Wahl, Fühlst den Druck des Vollgewichts, Deines alle8 oder nichts.“ Brand: ״Rätselvoll sind deine Worte; Aller Streit ist nun vorbei.“ Agnes: ״Aber lies ob ehr’ner Pforte Jenen Spruch, vor dem ich graute: Der stirbt, wer J...vah schaute.“ Auch Agnes wird das Opfer. Und da nun Brand, von allen Familienbanden gelöst, immer mehr die sich ihm an vertrauende Gemeinde emporheben will und mit ihr emporsteigt in die eisigen Firnen, sie zwingend, die Stätte da sie ausreichende Wohnung und Nahrung gefunden haben, zu verlassen und da nun die Stimme der alltäglichen Gesinnung und z. T. auch des gesunden Menschenverstandes, verkörpert im Schulmeister und Küster, im Vogt und im Probst die Menge zum Abfall bringt — und Brand dann vor den Steinhaufen derer verwundet, flüchtet, die ihm zuerst ob seines Idealismus, ob der