Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 129 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293057-2293060--09641-2302929- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ibsen 129 verkörpern. Ja früher, zu Jesus Zeit; ״Da gab es Zeichen noch und Wunder, So etwas kommt nicht vor jetzunder“. Der״ Leichtsinn“ verkörpert in dem Maler Einar findet sich nach Brand auch in bequemer Weise mit seinem Gotte ab. ״Ihr trennt vom Leben Glaub’ und Lehre, als ob der Wandel gar nichts wäre.. Mein Gott ist nicht so matt gesinnt. Der mein’ ist Sturm, der deine Wind. . .. Sein Ruf ist wie ein Sturmgetön. Das aus dem Feuerbusch erscholl, Zu Moses auf des Horebs Höhn, Ein Riese, er, jedweder Zoll. Die Sonne stand in Gideons Tal ״Auf sein Geheiss. 0, ohne Zahl Würd’ er noch heute Wunder tun, War’ feige nicht die Welt wie du.“ — Brand wagt noch einmal, wo alle feige zurückweichen, das Leben im Dienste seines Priesterberufes (Köstlich das Wort des Vogtes: Gott Lob, dort ist nicht mein Distrikt) und gewinnt so das Herz der gleichgestimmten willensstarken Agnes. In diese in Verlauf der ganzen Handlung vielleicht einzig frohe und reine Stimmung tritt das Gespenst der Mutter. Sie hat unrecht Gut zusammen gerafft und hat als Sühne dem Sohn die Priesterweihe geben lassen, sie erhofft dereinst, wenn sie stirbt seinen Priestersegen für das Erbe. Nach Bauernart ist ihr das erworbene Gut das Höchste. Und da sie erkrankt und da es ans Sterben geht, will sie von ihm nicht lassen, aber Brand bleibt unerbittlich, auch nicht das Geringste darf sie behalten: Alles oder nichts! Auch das letzte Zehntel, das sie zurückbehalten will, muss sie opfern und da sie steifnackig auf ihrem Willen beharrt, lässt er, der, um die letzten Augenblicke von Sterbenden mit den Tröstungen der Religion zu verklären, zweimal sein Leben gewagt hat die eigene Mutter elend verkommen, weil sie nicht seiner Forderung genügen will. Er rächt sich das freilich an seinem eigenem Leibe. An diese Unerbitterlichkeit der Forderung wird er von dem Freunde des Hauses, dem Arzte erinnert, da sein Söhnchen in Lebensgefahr schwebt, wenn Brand nicht den Dienst in der Gemeinde im unwirtlichen sonnenlosen Norden verlässt. Brand hat nach den furchtbarsten seelischen Kämpfen sich entschlossen, um das Leben des Kindes willen, der Mutter des Kindes nachzugeben. Aber jetzt muss er das Kind zum Opfer bringen, soll nicht das