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Jeschurun · 1928-03-01 · Heft 3-4 (März 1928) · p. Seite 128

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 3-4 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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128 Ibsen die Sünde gegen die eigene Natur. So wächst sich seine Forderang zum schrankenlosen Individualismus aus, der sich selbst ad absurdum führt in einer Welt, wo der Mensch mit dem Menschen leben muss. Darum hat er keine Lösung gegeben. Aber das Problem hat er in allen Variationen und mit vollkommenster psychologischer Schärfe aufgezeigt. Und die Problem- Stellung ist eine urjüdische. Ja, wir kranken alle an der Lebenslüge, dass wir nicht unser eigenes Leben leben, sondern ein Leben in der Vorstellung der anderen, dass alles, alles, unser materielles Lebensziel und selbst unsere ״Ideale“ nicht um des letzten Sinnes des Lebens willens gestellt und gefördert werden sondern im Hinblick auf die Anderen, dass wir der grossen Lüge uns schuldig machen, das Wort im Munde zu führen, dass wir für Gott leben und sterben und doch fast bis zum letzten Hauche nur denken und fühlen und arbeiten und wirken für die Erde. Alles oder Nichts! Dieser Schlachtruf Brands ist immer mit Hecht als das Leitmotiv dieses spezifisch religiösen Dramas angesehen worden. Letzten Endes ist auch diese Dichtung nur eine Abwandlung des Rufes nach Wahrheit. Soren Kierkegaards ״Entweder — oder“ tönt uns überall entgegen. Jeder Kompromiss erscheint Brand als Versündigung an der Wahrheit. Um so mehr kann es uns reizen, nachdem wir die Forderung nach unbedingter Wahrheit als die Grundforderung jüdischer Lehre angesprochen haben, uns darüber klar zu werden', ob jenes ״Alles oder Nichts“, das Brand des Oefteren gerade in Anlehnung an unsere heilige Schrift variiert und das ihn zuletzt zum Zusammenbruch führt, wirklich der jüdischen Lehre entspricht. Führen wir uns in Kürze einige Züge des Dramas vor Augen. Gleich zu Anfang tritt Brand uns in der Unbedingtheit seiner Forderung entgegen. Er wagt den fast sicheren Untergang über die hohle Gletscherbrücke, um einer Sterbenden die letzte Tröstung zu bringen ״Steh, Mann! ’s gilt Leben oder Tod! — Ich muss, ein Grösserer mir’s gebot״. Der Bauer, der ihn um jeden Preis zurückzureissen sucht, soll den ״Stumpfsinn״

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