Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ibsen 125 sie hier auf Erden übt, der kann ja, wenn er die Psalmen liest, gar nicht — man möchte, wenn man es wagen dürfte, sagen, das ewige Einerlei des Gebets zu Gott gegen die Lügenredner, die mit den glatten Zungen, verstehen, kann nicht begreifen wie immer und immer wieder der Psalmist flüchtet zu dem Gotte der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Seit den Zeiten der Bibel sind immer wieder Männer erstanden, die in den Gedanken und in der Sprache ihrer Zeit die alte Losung aufgenommen, die Brandmarkung der Vornehmen und Angesehenen im Lande, die Anerkennung und Würde nur der Geschicklichkeit verdanken, mit der sie in Tat und Wort, in Geberdenspähen und klüglichem Schweigen die Wahrheit geschändet, sind Männer erstanden, die als Wächter auf der Mauer riefen: Bahnet, bahnet der Wahrheit den Weg. Und weil Ibsen einer von diesen, darum sollen wir, die wir doch immer davon zu reden wissen, dass das Siegel der Gottheit die Wahrheit, auch an dem Feuer dieses Wahrheitskünders uns entzünden. * * * Aber viel tiefer führt uns Ibsen hinein in den Gedanken, dass das Fundament des menschlichen Lebens, wie es sich hier auf Erden abspielt, die Lüge ist. Alle Bindungen, in die der Mensch mit dem Göttlichen und seiner Umwelt verflochten ist, sind letzten Endes auf UnWahrhaftigkeit gegründet. Die meisten Gestalten Ibsens kranken an der ״Lebenslüge״. Was Max Nordau in seinen ״Konventionellen Lügen״ feuilletonistisch ausgesprochen, das hat Ibsen mit zermalmender Kraft in seinen Meisterwerken und als diese sind ja besonders die ״Gesellschaftsdramen“ zu bezeichnen, dargestellt. Das kirchliche Christentum mit seinen Kompromissen, seiner Lauheit, seinem Widerspruch zwischen Lehre und Leben hat es ihm besonders angetan. Hier ist er freilich gegen die beamteten Vertreter etwas einseitig. Er sieht diese Diener der Kirche doch zu sehr vom Blickpunkt eines freisinnigen Bezirksvereins. Gestalten wie der Probst in ״Peer Gynt“, Pastor Manders in den ״Gespenstern״, Rohland in den ״Stützen“ sind verzeichnet, sie sind zu kindlich, unwissend und z. T. plumpe Heuchler als dass sie als Typen für