Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 86

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 86 (sequence 86)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2292929-2293057-2293059--09597-2302884
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

86 Der Gottesdienst nsw. sehen Ornats abzustossen! Nirgends ist es verhängnisvoller als hier bei jeder noch so harmlosen Einzelheit sich hinter das Wort Minhag, als etwas unabänderlichem], zu verschanzen,, statt unter der Führung rabbinischer Autorität die Einung der Herzen und Geister zu versuchen. Der Fehler liegt aber auf beiden Seiten; auf einer Unnachgiebigkeit und Ueberheblichkeit der Eingesessenen, aber nicht minder auch kurzsichtiger Enge und unfreier Geistesträgheit der Zuwanderer. Warum verlangt die Halachah denn die Einpassung und Einfühlung in den neuen Orts- und Landesbrauch? Weil sonst für den Neuankömmling keine geistige Lebensmöglichkeit, keine religiöse Zukunft denkbar ist, nicht für ihn und nicht für seine Kinder. Die Notwendigkeiten in der Entwicklung dieser Kinder, der nachfolgenden Generation sollte ihnen zu denken geben. Sollen sie ewig Fremde bleiben, immer doppeltes Galuth durchkosten? Sie müssen also, wenn sie nicht verloren gehen sollen, Kinder des neuen Minhag werden. Wie sollte da, frage ich nochmals, einer als voller jüdischer Bruder mir gelten, der mit mir nicht beten will? Heisst das nicht, dass er nicht im Verein mit mir vor Gott erscheinen will? Wenn ein Einzelner beim Gebet auf den andern nicht warten will, sagt der Talmud,טורפים לו תפלתו בפניו dem schleudert man sein Gebet ins Gesicht — da hast du dein selbstisches Geplapper (Berach. 5 b, siehe auch Tosaphot das.). Denn aller Egoismus, alle Eigensucht, aller Individualismus ist der Tod des!Religiösen, ist vor allem Vergifter des jüdischen Gebetes. Und sollte das nur für den Einzelnen, nicht für Gruppen gelten? Besonders überall da, wo jede Gruppe in ihrer Zwerghaftigkeit die hohe Würde des Gemeindegebetes nicht verwirklichen kann? Wohin der Gruppenegoimus des Minhagkaräertums führt, das zeigt dieselbe Stadt Jerusalem, die einst unter Leitung ihrer Gaonen die religiöse Brücke zwischen den Getrennten so meisterlich zu schlagen wusste. Als die Schüler Eiiah Wilnas dem am Boden liegenden Jischuw neues Leben zuführten, fragte die türkische Regierung bei den offiziellen Behörden der Sefar-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.