Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 85)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Gottesdienst usw. 85 die einzige, das ist die grosse Synagoge, die der Mahari Kolon erwähnt, die in seiner Zeit zerstört und mit Erlaubnis des Königs von Aegypten wieder aulgebaut wurde. In jenen Tagen hatten Sefardim und Aschkenasim nur eine Synagoge. So sagt ein Bericht aus dem Jahre 5282: ״es gibt nur eine Synagoge; sie ist schön, hat vier Säulen in der Mitte, vorn der Hechal, mit über 60 Torarollen; die Synagoge hat kein Licht, ausser von der im Westen gelgenen Tür her, über der ein kleines Fenster angebracht ist und selbst am Tage betet man beim Licht der Lampen, die man rings umher anzündet. Die Gemeinde setzt sich aus allen Arten Juden zusammen, 16 Familien Aschkenasim, Sefardim aber die Mehrheit, alles in allem 300 Familien. Der Minhag ihrer Gebete ist angenähert dem Nussach der Sefardim, sie sagen Jozerot erst nach Hallel, und Selichot erst nach Schmonoh Esre. Daraus ersieht man, dass ihre Gebetsordnung auch auf die Aschkenasim Rücksicht nahm. Denn die Sefardim sagten überhaupt keine Jozerot, nicht am Sabbath und nicht am Jomtow, wenn Hallel gesagt wird. Also ist es klar, dass in diesem gemeinsamen Gotteshaus die Gebete nach beider Ordnung gesagt wurden, mit über wiegender Betonung der sefardischen als der der Majorität מכל זה מוכח שהתנהגו שם {1בשותפות". Damit hat die heilige Stadt schon vor vierhundert Jahren ein rühmliches Beispiel gegeben, wie man durch ein gewisses Entgegenkommen die Herzen der an den herschenden Minhag nicht Gewöhnten versöhnt. Wie leicht könnten wir hierzulande in Einzelheiten des Chasonus, in der Vertonung der Lieblingsgebetstücke den ostjüdischen Zuwanderern entgegenkommen, statt mit dem Stolz des Eingesessenen willenlose Unterordnung ihm aufzuerlegen, statt ihn durch unjüdische Aeusserlichkeiten wie die Geschmacklosigkeit des uns allen aufgezwungenen rabbini- *) Auch in der Verteilung der Mizwaus herrschte besondere Rück• sichtnahme auf die Aschkenasim (8. das.).