Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2293057-2293059--09594-2302881- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Gottesdienst usw. 83 Wie ־wollen wir im kleinen ein Abbild der messianischen Gemeinde darstellen, wenn wir nicht einmal mehr gemeinsam beten können? Gibt es z. B. eine furchtbarere Anklage gegen die Reform mit ihren Gebetsänderungen, als dass sie die Einheit der messianischen Gemeinde damit zerstört hat? Aber das war ihr Prinzip, sie wollte die einstige Sammlung aller Kinder des jüdischen Volkes unter dem Banner Gottes zur Heimkehr ins heilige Land leugnen, wollte die deutsche Judenheit, als dem Deutschtum assimiliert, vom Gesamtleib des Judentums ab• schnüren und zum selbständigen Religionsgebilde machen. Die Treuen dagegen, die in den Synagogen nur das Land der Väter mit der Seele suchen, sollten sie sich nicht zum Gebet zusammenfinden können? Hier gilt אהבה מקלקלת השורה, die Liebe zum Minhag hat ,ihre Grenzen überschritten“, hat sich erhalten der Halacha zum Trotz, die ein Aufgehen in die Urgemeinde fordert. Der Minhag, den Minhag zu bewahren, hat den Din gebrochen, der im Sinne der messianischen Einheit sein Verschwinden fordert. Es war das ein Sieg der Gewohnheit über die Idee, des empirischen Judentums über das wahre, wesentliche, rationelle. Heute, wo die neue Diaspora die russische Judenheit nach Westen treibt, erleben wir fast überall das traurige Schauspiel, dass Osten und Westen sich in zwei gottesdienstliche Formen sondern. Seelisch ist diese Trennung verständlich, aber nicht berechtigt. Gefühle, Stimmungen dürfen eine entscheidende Rolle nicht spielen. Sie müssen im höheren Interesse überwunden werden. Wie wir vom Trauernden verlangen, dem die Bitterkeit des Herzens den Aufenthalt in der Sukka mit ihrer Fröhlichkeifc verleidet איבעי ליה ליתיבי דעתיה (Sukka 25 b), er müsse sich eben seelisch bezwingen, die gleiche Forderung gilt auch für den, 4er sich in neue Melodien, neue Worte, neue Formen, in das Entbehren liebgewordener Andachtsweisen fügen muss. Ja, vielleicht liegt in solcher Selbsthingabe und Selbstentäusserung im Religi- Ösen, solchem völligen Aufgehen in die Gesamtheit die höchste Form des Gebetes, die grösste Mizwah. Als Rabbi Sera von Babel nach dem heilgen Lande hinaufzog, fastete er 30 Tage בדי לשכה