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Jeschurun · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 82 (sequence 82)
Language
German
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82 Der Gottesdienst usw. andächtig beim Schacharisgebet der Gemeinde und bete mit ihnen Mussaf. Aber wir wollen nicht verkennen, dass es ein Prinzip von טרחא צבורא gibt, dass auf die Anstrengung und Unbequemlichkeit des Publikums Rücksicht genommen werden soll. Die individueilen Verhältnisse jedes Ortes müssen jeweilig die Grenzlinien bestimmen, wo die Allgemeinheit, wo der einzelne den Ausschlag zu geben hat. Im grossen und ganzen glauben wir, dass für das Abend- und Morgengebet der Sabbathe und Festtage der Gedanke von טרחא דצבורא nicht gelten darf, ln den Arbeitetagen mag jedem die Pflicht des täglichen Gebetes erleichtert werden. Anders in den gehobenen Momenten des Jahres, da hat die Gegenwart die messianische Menschheit vorwegzunehmen, da ״von Sabbath zu Sabbath und von Chodesch zu Chodesch alles Fleisch kommt, um sich vor Gott in Jerusalem niederzuwerfen.“ Da bedeutet, wiebereitsangedeutet, unser Erseheinen im Gotteshause mehr als wie gewöhnlich: da ist es eine grosse Demonstration für den Sabbath und seine Heiligung, für den Feiertag und seine Ehre, für unsere Geschichte und ihre freudigen und tragischen Höhepunkte. Ohne diesen Charakter des Demonstrativen, der Volkskundgebung für Gott, wird man dem jüdischen Feiertag nicht gerecht. Sie sind nicht eine Flucht aus dem Lager Israels, sondern eine Flucht in die jüdische Welt, ins מחנה ישראל (vergl. ספר הדונוך מצוד, כ״ד). Nicht in der Einsamkeit der Seele, der Entspannung des Ich im Traum der Wälder und Fluren liegt die jüdische Festtagsidee und Stimmung, sondern in der gemeinsamen Wallfahrt Israels zum Berge des Ewigen. Nicht einmal die Verschiedenheit der נוסחי תפלה, der dem einzelnen lieb und teuer gewordenen Gebetsordnungen, rechtfertigt in heutiger Zeit die Trennung in zweierlei Synagogen. Wenn man sich schon auf die Halacha beruft, 80 gilt hier das unzweideutige strikte Gesetz des Schulchan Aruch, dass Neuankömmlinge in einer Stadt sich in allem und jedem dem Ortsbrauch zu fügen haben.

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