Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Der Gottesdienst usw. vielen fehlenden Beter den Blick lenkt, da kann nie die Tefilla zum letzten religiösen Erleben sich gestalten, da ist die Macht der Scheehina gebrochen. Denn Schechinaerleben ist das Ziel allen Gottesdienstes, Fühlen, das Gott nahe ist, dass wir einer höheren Welt angehören; versuchten doch die Frommen einst in sich die Fähigkeit zu erwecken, ,להתפשטות הגשמות ולהתגברות כח השכלי עד שהיו מגיעות קרוב למעלת הנבואה ihre Körperlichkeit und Irdisch« keit abzutun, das geistige Wesen in sich zur Alleinherrschaft zu bringen, bis dass sie nahe an die Stufe des Prophetentums gelangten (Or. Chajim 98,1). ״Es dürstet meine Seele nach Gott, dem in der Gemeinde lebendigen Gott*. Jeder dürstet darnach, sich über sich selbst hinauszuschwingen, sich als Bürger der reineren ewigen Geistessphären zu empfinden. Dazu muss die Synagoge ihm helfen; es vermag die hundert« und tausendköpfige Gemeinde aber viel leichter, viel eindrucksvoller als das bescheidene Minjan. Wenn tausend Münder ein Gebet sprechen, wenn auch nur ein einziges Omen aus unzähligen Kehlen hervordringt, so besitzt dieses an sich schon solch hinreissende Macht, dass damit allein das religiöse Erleben schon gegeben ist. Ueber den Myriaden Israels weilt immer die Scheehina. Zu diesem Erleben des lebendigen Gottes müssen wir alle streben; dass wir wieder ״dahinschreiten in der Menge, in festlicher Schar״ (Ps. 42), dass wir במקהלות, in Massen Gott loben. Jeder muss mitwirken, dass das Erlebnis ein volles wird. Es geht daher nicht an, dass man als blosser Zuschauer im Gotteshause steht. Wer erscheint, soll zum Mitbeten erscheinen; sonst teilt er seine Seelenkälte dem Nachbarn mit, von dem schweren Unrecht, ganz zu schweigen, dass er, weil unbeschäftigt, durch Unterhaltungen andere in alle Andacht tötende Profanstimmung hineinversetzt. Gebet Ehre dem Gotte Israels! Wisset, dass ihr vor dem König der Könige stehet1). *) Dass eine grössere Synagoge eine grössere Weihe hat, die nur, weil nicht ab grenzbar, nicht in halachische Form gefasst werden