Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Gottesdienst nsw. 75 grosse, prunkhafte Synagogen? Man verwandte die Mittel lieber für die Armen, die sich in der Tora mühten. Anders die Jetztzeit. In erschreckendem Masse ist das Band der Juden untereinander gelockert. Die jüdische Bevölkerung der Länder und Städte fluktuiert hin und her; jeder Fremde, der in eine Stadt kommt, steht isoliert und verlassen da. Auch die gesellschaftliche Zerrissenheit, der Klassendünkel und soziale Hochmut haben tausend Scheidewände in unsrer Mitte errichtet. Das Gefühl der brüderlichen Verbundenheit, das Bewusstsein, dass wir alle Kinder Abrahams, Isaaks und Jakobs sind, unsere Solidarität, das Verantwortlichkeitsempfinden Aller für einen und eines für Alle sind mehr und mehr abgestumpft. Dagegen spricht die nichtjüdische Welt mit immer eindringlicherer Macht zu unserem Gemüt, macht uns auch ästhetische Verfeinerung und äussere Schönheit mehr und mehr zum Lebensbedürfnis. Heute schreit die Ehre Israels nach einem sichtbaren Ausdruck, heute kann nur noch eine einheitliche grosse schöne Synagoge, die alle zusammenfasst, die jeden Widerstrebenden mit imponierender Gewalt in ihren Bann zieht, die in uns durch ihre stumme Majestät, wenn wir alle als demütige Kinder uns in ihr zusammenfinden, allmählich das Gefühl unserer Zusammengehörigkeit erziehen, der rechte Rahmen unserer Gebete, die Vorhalle unserer Gotteskindschaft sein. Im vollen Bewusstsein von der Tragweite und Bedeutung unserer Worte dürfen wir heute erklären: wer in der Gegenwart die Einheitlichkeit und Kraft unsrer Gebets- Veranstaltung durch sein Fernbleiben oder durch Nebengottesdienste, durch Z wergminj anim stört und mindert, der begeht ein religiöses und nationales Unrecht. Ein religiöses: denn er leistet demחלול שבת ד״ט, der Entweihung des Sabbath und der Festtage bei den Schwankenden Vorschub, gegen die ein regelmässiges Sichzusammenfinden im Gotteshause und die Weihe des sabbatlichen Gebetes das stärkste Bollwerk ist, er leistet ferner dem Irrwahn Vorschub, als habe die Gottesidee, die jüdische Religiosität nicht mehr die alte Macht über die Herzen, da der Beschauer in jedem leeren Platz