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Jeschurun · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 74

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 74 (sequence 74)
Language
German
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74 Der Gottesdienst usw. Denn während das Heiligtum in Zion den Blicken der Fremden entzogen war, bekundete die Synagoge zu Alexandrien die Ehre Israels der andersgläubigen Welt; war es doch die sichtbare Bekundung unsrer Treue und Anhänglichkeit zur Tora, das Denkmal und Zeugnis Gottes innerhalb der fremden Kultur. Daher findet dieser ragende Bau in Alexandrien die volle Anerkennung der Weisen. Unzweideutig verurteilt dagegen der Jeruschalmi (Schekalim V, 4) solche Bauten auf dem Boden Palästinas: ״Rabbi Chama barChanina und Rabbi Hoschia ergingen sich in den Synagogen von Lud; da sagte Rabbi Chama: wie viel Geld haben meine Väter hier in den Bau der Synagogen versenkt! Da erwiderte jener: sage besser: wieviel Menschenleben haben sie hier begraben: Gab es denn keiner Männer, die — in Armut — sich um die Tora mühten? — Rabbi Abun hatte dem grossen Lehrhause kostbare Türen anfertigen lassen. Als Rabbi Mana zu ihm kam, sagte er ihm: sieh doch, was ich habe hier machen lassen! Darauf dieser: Ja, ״Israel vergisst seines Schöpfers und baut sich Prachtgebäude־״ (Hosea 8). Gab es denn keine in Armut sich um die Tora mühenden Gelehrten?״ Unsere Gegenwart ist gegenüber den Zeiten vor der Emanzipation wie die Diaspora Alexandriens gegenüber dem heiligen Lande. Während unserer mittelarterlichen Weltabgeschlossenheit waren wir in unsren eigenen Bezirken in einer nicht rechtlich, aber seelisch gesicherten Heimstätte; alle Energie der Betätigung ging nach innen; eine Repräsentation, eine Ehre Israels in grossen Gotteshäusern war für uns selbst unnötig und nach aussen unmöglich. Man duldete nicht einmal eine jüdische Synagoge nach der Strasse zu. So lebte sich die jüdische Seele in kleinen Gebetstätten traut und heimlich aus; das בית המדרש hatte den Vorzug vor dem בית הכנסת; das nahe Zusammenleben Aller in der räumlichen Enge des Ghetto gewährleistete an sich schon den freundnachbarlichen Zusammenhang aller Glieder der durch gemeinsames Leiden und Dulden, durch eine allen gleiche jüdische Erziehung eng verkitteten Gemeinde. Eine Freizügigkeit, die die die Bodenständigkeit bedrohte, gab es nicht; wozu also

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