Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Gottesdienst usw. 71 das Omen an. Sie sagten nicht durcheinander, sondern die Goldschmiede für sich, die Silberarbeiter für sich, die Schmiede für sich, die Kupferarbeiter für sich und die Weber für sich. Kam dann ein Armer dorthin, so kannte er seine Zunftgenossen, ,wandte sich an sie und fand dort sein und seiner Angehörigen Brot1 ״). Diese hochinteressante Baraitha ist ein Bericht von allergrösstem Nachdruck; sie steht in Parallele mit den stolzen Sätzen über die unvergleichliche Schönheit des Tempels und Jerusalems und die Einzigartigkeit der Freude des Wasserschöpffestes. Es erscheint uns fraglos, dass der Talmud diese grosse Sy nagoge zu Alexandrien als Vorbild für alle unsre Gotteshäuser binstellen will. Eine solche Auszeichnung verdient sie auch voll und ganz. Ihre höchste Pracht entfaltete sie in den Ehrensitzen für die Gelehrten, um den Rang des Torawissens in Israel zu markieren. Ihre ungeheure Grösse fasste alle Glieder der Gemeinde zu einer Einheit in sich. Alle Stände sind vor Gott gleich; alle Arbeit adelt; nach Berufen ordnet man sich im Gotteshause. Dadurch ist zugleich jeder Brotneid, jeder Anspruch auf Ausschlies81ichkeit des eignen Besitzstandes ausgeschaltet; sogar für den Fremden ist dadurch am besten gesorgt, indem man ihn sogleich einer Verdienstmöglichkeit inmitten seiner Standesgenossen zuführt2). Die Bima in der Mitte aber von höchster Einfachheit aus Holz, um keinen auch noch so entfernten Amklang an den Altar in Jerusalem zu geben. Das Auffallendste ist aber der Winker in der Mitte mit seinen Tüchern, (offenbar verschiedenen, je nach den verschiedenen Antworten der Gemeinde, ob אמן, oder ברוך ה׳ המבורך). Es ist nun kaum ein geordnetes Gebet denkbar, wenn kein Chasan mit seiner Stimme den Raum durchdringen konnte. In der Tat berichtet der Jeruschalmi nur: ״trat jemand vor, um aus der Tora vorzulesen, so winkte der Vorsteher mit dem 1) Vergl. auch den Bericht im Jeruschalmi, der die Pracht des Hauses mit noch reicheren Farben schildert. 2) Im Osten trifft man heute noch die Gebetsstätten in beruflicher Gliederung, die ״Schneidersche Klaus“, die ״Kazowimklaus“ usw.