Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Aus Israel Zangwills usw. ist ein unsinniges Versprechen. Ihre Freundin Dolly, die Hof״ ratstocher, treibt die Praxis ihrer moralfreien Grundsätze noch weiter: unbedenklich steht sie im Evakostüm dem futuristischen Malerbruder Richard zu seinem ״Loreley־״Gemälde Modell, ja sie setzt ihre Ideale von der Freizügigkeit der vorehelichen Freuden in die lebendige Tat um: sie steht gerade davor, von einem skrupellosen, gottbegnadeten Dichterling, den sie als seine ״Beatrice״ anhimmelt, ein Kind zu bekommen. Ihr Dante, ebendieser hyperextrem expressionistische Dichter (dessen Gestalt schon fast karrikaturistisch gezeichnet erscheint), predigt das Evangelium des ״ freien Weibtums ״, ist Gemütsathlet und schrankenloser Geniesser (ist nebenbei verheiratet), will eine Schule der Hedonisten gründen, wo Eros und Venus ihr Szepter schwiDgen sollen, ״Glück ohne Reu״ solle das Losungs״ wort seiner Jünger sein- Um aber dieser turbulenten Erotik und Genussucht ein wissenschaftliches Mäntelchen umzuhängen, hat sich dieses ganze junge Geschlecht der Freud’schen Psychoanalyse verschrieben, Sigmund Freud in Wien ist ihr Erlöser, von ihm empfangen sie ihre Heils Wahrheiten und ihre Sanktion. (Ich darf bei den Lesern dieser Zeitschrift die Grundbegriffe der Freud’schen Lehre aus früheren Aufsätzen voraussetzen und von deren Neuerörterung absehen). Gegen Freud und seine verheerenden Folgen für die jüngere Generation richtet sich der Hauptangriff von Zangwills Thesenkomödie, und dies bildet den Hauptreiz des auch für unsre jüdischen Kreise nur zu aktuellen Stückes. (Beiläufig bemerkt hat schon Karl Kraus in Wien, der spracbgewaltig8te Satiriker unsrer Zeit, wiederholt in Versen und Prosa seine satirische Geissei gegen die Schule der ״Psychoanalen״ geschwungen.) S. Freud ist nach Z.’s Ansicht der Hauptschuldige an der Entartung des heutigen Geschlechts und seiner nur auf das ״Geschlechtliche“ gestellten Moral. Er ist der Eideshelfer all dieser sexuell Entwurzelten, der Erwecker all der unterbewussten Triebwünsche und hemmungslosen Sehnsüchte unserer Jungen. Die Jugend, die bis jetzt mit ihren kleinen Pubertätsnöten meist schlecht und recht fertig geworden, durch elterliche