Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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22 Ein© Leuchte der Bibelexegese usw zu suchen*2. Seine Exegese bildet jedoch einen Markstein in der Geschichte der Erforschung der heiligen Schrift. Seinem Scharfsinn ist kaum eine Schwierigkeit entgangen, über viele dunkle Punkte hat er Licht verbreitet und seine Bibelerklärungen haben vielfach Anerkennung gefunden. Ein Fehler freilich hängt allen seinen Kommentaren an — dieser drängt sich ja jedem, der sie auch nur oberflächlich kennen lernt, auf — die ermüdende Breite und Weitschweifigkeit3. Diese haben es auch verhindert, dass Abarbanels Kommentare nicht so volkstümlich geworden sind, wie sie es verdienen. Wer aber sich die Mühe nicht verdriessen lässt ihm eine grosse Strecke zu folgen, der staunt über seine souveräne Beherrschung des ganzen, bis zu seiner Zeit bekannten, exegetischen Stoffes jüdischer wie nichtjüdischer Exegeten. Abarbanel scheut sich auch nicht neben den Klassikern der jüdischen Bibelexegeser wie Saadja, Raschi, Ibn Esra, Kimchi, lbn Caspi, Faiissol, Mose ben Nachman, Levi b. Gerson, Sforno. die Exegeten der französischen Schule, auch die Klassiker christlicher Exegese, ja sogar die Ansichten jüdischer Renegaten zu zitieren und sich mit ihnen auseinanderzusetzen (Hieronymus und Augustin, Nikolaus de Lyra und Paulus de Santa Maria, Abner de Burgos)4. Rühmenswert ist seine Methode bei schwierigen Stellen alle möglichen, geäusserten Ansichten 2) H. Grätz (Gesch. d. Juden Bd. VIII, S. 830, 845) geht so weit, Ab. jede philosophische Befähigung abzusprechen, und seine Betätigung auf dem Gebiet der philosophischen Forschung als ein Uebergreifen in ein ihm, infolge seiner mangelnden Begabung, verschlossenes Gebiet zu bezeichnen. Jacob Guttmann (a. a. 0. S. 6) hat aber dies Urteil als unzutreffend mit Recht zurückgewiesen. Vgl. auch die späteren Ausführungen. 8) Vgl. Tsarfati, in Jost’s Israelitischen Annalen 1839, S. 181: *Ab., bei dem jedes Wort sich in eine Periode, und jede Periode in eine Abhandlung ausdehnt-. Dieser seiner Eigenart war sieh jedoch Abarb. bewusst, und als wollte er etwaige ähnliche Vorwürfe vorwegnehmen schreibt er in s. Einleitung zu den ersten Propheten: דאין המלט מהרחבת הדבור בפירוש הזה . . . ברבוי החקירה והדרישה והבנת אמתת הענינים ועמקם... במקום שראוי להאריך איני רשאי לקצר... 4) In verschiedenen Stellen. Vgl. auch die späteren Ausführungen über Ab.’s Stellungnahme gegenüber christologischer Deutung verschiedener Stellen der Bibel.